2017-11-24
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Ein Sturm zieht auf über der Windbranche

Manchmal schreibt die Realität die besten Geschichten – so geschehen aktuell in Husum, wo gestern Sturmtief Sebastian für eine zeitweise Unterbrechung und Evakuierung der HUSUM Wind sorgte. Aber auch bis dato wurde auf der Messe deutlich, dass die deutsche Windbranche ungemütlichen Zeiten entgegen geht.

Die Ruhe vor dem Sturm... (Foto: Katrin Radtke)Die Ruhe vor dem Sturm... (Foto: Katrin Radtke)

Es war auffällig, wie unterschiedlich die beiden Partnerländer die Bedeutung der Messe und damit auch der Windenergie handhabten: Vom Gastgeberland Schleswig-Holstein reiste der frisch gewählte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) persönlich zur Messeeröffnung und ließ es sich nicht nehmen, auch zu den durch die Ausschreibungen entstandenen Problemen Rede und Antwort zu stehen. Er hätte es sich auch leicht machen und seinen Stellvertreter Robert Habeck schicken können, als Umweltminister und Grüner eigentlich eher prädestiniert, auf der nationalen Branchenschau zu sprechen.

Anders machte man es im Partnerland Nordrhein-Westfalen: Auch dort gab es kürzlich einen Regierungswechsel – hin zu einer wind-kritischen schwarz-gelben Koalition, deren Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart gerade die Einführung eines Mindestabstands von 1500 Metern zwischen Windkraftanlagen und Siedlungen durchgesetzt hat. Allerdings stellte er sich nicht persönlich den Betroffenen, sondern schickte seinen Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, Christoph Dammermann.

Der betonte trotz des Erlasses die Bedeutung der Windenergie in seinem Bundesland: „Als Zuliefererland Nummer eins für die Onshore- und Offshore-Windindustrie spielt Nordrhein-Westfalen eine herausragende Rolle: Kaum eine Anlage weltweit dreht sich ohne Technik aus unserem Bundesland. Das unterstreicht die Stärke NRWs in allen Bereichen industrieller Energieumwandlung.“ Nach dem „Neustart“, wie er die aktuelle Politik bezeichnete, sieht er künftig vor allem Chancen im Bereich des Repowering, wie er auf der Messe erklärte.

Allerdings dürfte der beschlossene Mindestabstand auch das Aus für viele aktuelle Windprojekte bedeuten, wie das Beispiel Bayern zeigt: Dort bestimmt seit einiger Zeit die 10H-Regelung den Abstand zu Siedlungen und hat den Ausbau der Windenergie fast vollständig zum Erliegen gebracht. In NRW ist man nun offenbar der Meinung, dass es reicht, wenn man entlang der Zuliefererkette seine Stärken hat, ohne seiner Bevölkerung jedoch die Aussicht auf Anlagen vor der eigenen Haustür zuzumuten. Ob das langfristig von Erfolg gekrönt ist, darf jedoch bezweifelt werden. Zumal NRW eben nicht nur Stärken im industriellen Bereich hat, wie der Vorstandsvorsitzende des Landesverbands für Erneuerbare Energien, Reiner Priggen, betonte, sondern auch über ein gut ausgebautes Stromnetz verfügt, was an der Geschichte des Landes als traditionellem Energieerzeugerland liegt.

Peter Becker, Christoph Dammermann, Daniel Günther, Hermann Albers, Matthias Zelinger und Reiner Priggen stellten sich den Fragen auf der Pressekonferenz zur Eröffnung (Foto: Katrin Radtke)

In Schleswig-Holstein dagegen möchte man mehr Windenergie, allerdings setzt man hier auf Auslagerung. Mit schwindender Akzeptanz der Bevölkerung hat man schließlich auch im hohen Norden zu kämpfen, da hilft es auch nicht, dass sich die Messe als Geburtsort der Windenergie in Deutschland deklariert. Daniel Günther setzt daher auf eine Anhebung des Offshore-Deckels und wusste die Unterstützung der anderen Bundesländer aus dem Norden hinter sich. Erst zu Beginn dieser Woche forderte ein Zusammenschluss aus Politik und Industrie im Cuxhavener Appell 2.0 die Anhebung des Ausbaudeckels, damit kein Fadenriss entsteht und die Klimaschutzziele vom Pariser Abkommen noch halbwegs erreicht werden können.

Hermann Albers, Präsident des BWE, unterstrich diese Forderung und setzte gleichzeitig auf eine neue Regierung nach der Bundestagswahl: Zwar ging er davon aus, dass Angela Merkel weiterhin Bundeskanzlerin bleiben wird, allerdings müssen entsprechende „Instrumente im neuen Koalitionsvertrag festgelegt werden“, um dem Ausbau neuen Schwung zu verleihen. „Wir wollen aber nicht nur fordern, sondern auch zeigen, was geht. Deshalb ist diese Messe auch eine Leistungsschau“, machte er deutlich.

Wenn man das so sieht, dann besteht auch Hoffnung für die deutsche Windindustrie. Denn dort geht die Messe am heutigen Donnerstag nach überstandenem Sturm ganz normal weiter: „Heute hat sich in Husum wieder gezeigt: Mit Wind in jeder Form können wir umgehen“, sagte Peter Becker, Geschäftsführer der Messe Husum & Congress, dazu. Gegenwind gehört schließlich zum Geschäft.
 

Autor:
Katrin Radtke
Email:
presse@windmesse.de
Windenergie Wiki:
Repowering, Offshore, Cuxhaven, BWE, Ausschreibungen, 10H-Regelung



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