2019-09-22
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Windmesse-Interview mit der AMBAU GmbH

Joachim Görlitz, Geschäftsführender Gesellschafter der AMBAU GmbH, sprach mit der Windmesse-Redaktion unter anderem über neue Herausforderungen der Offshore-Industrie und die Bedeutung der deutschen Energiewende.

Joachim GörlitzJoachim Görlitz

Windmesse: Stellen Sie doch bitte kurz das Unternehmen vor.

Joachim Görlitz: Die AMBAU GmbH ist einer der führenden Hersteller von Gründungsstrukturen und Stahlrohrtürmen für die Off- und Onshore-Windenergiebranche. Das Produktportfolio reicht von Stahlrohrtürmen für Onshore Windenergieanlagen über Offshore-Türmen für die 5-Megawatt-plus-Anlagen bis zu den Offshore-Fundamenten wie Monopiles, Jackets und Transition Pieces. Die eigene Produktion von Secondary Steel komplettiert unsere Angebotspalette.

In den letzten Jahren konnten wir uns eine marktführende Position als Lieferant für Energiekonzerne, Anlagenhersteller und Generalunternehmer erarbeiten. Unser Ziel ist es, durch innovative und umweltbewusste Technologien aktiv am Umweltschutz teilzunehmen. Hierfür greifen wir auf gebündelte Kreativität und Fachwissen zurück.

Derzeit beschäftigen wir ca. 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an unseren fünf Standorten in Am Mellensee, Gräfenhainichen, Bremen, Cuxhaven und Dessau.

Foto: Turmkonservierung

 

Das Unternehmen wurde Anfang der 1990er Jahre gegründet, als die Windenergiebranche noch in den Kinderschuhen steckte. Hat man sich im Unternehmen von Anfang an auf diesen Industriezweig konzentriert oder wurden zu Beginn noch andere Produkte hergestellt?

Erst 2002 haben wir uns fast zu 100% der spannenden Windindustrie verschrieben. Gegründet wurde das Unternehmen bereits 1993 als klassisches Unternehmen des Stahl- und Anlagenbaus, jedoch haben wir frühzeitig den Trend und das Potential der Windbranche erkannt. Wir produzierten unter anderem Kraftwerkskomponenten, Eisenbahnbrücken, Autobahnbrücken und anderen schweren Stahlbau. 1999 haben wir unsere ersten Onshore-Türme produziert, 2002 die komplette Produktion entsprechend umgestellt. 2006 haben wir dann das erste Offshore-Projekt gestartet.

 

Nach der Onshore-Windenergie hat sich mittlerweile auch eine Offshore-Branche entwickelt, die sich noch immer durch konstante technologische Weiterentwicklungen auszeichnet. AMBAU stellt unter anderem verschiedene Arten von Gründungsstrukturen her. Wurden die unterschiedlichen Typen wie Jackets, Tripods, Monopiles, etc. auch von Ihrem Unternehmen direkt mitentwickelt?

Direkt kann man nicht sagen, aber sowohl bei den Gründungsstrukturen als auch bei den Türmen arbeitet unser „Technisches Büro“ eng mit den Kunden zusammen. Wir arbeiten viel mit Vorgaben unserer Kunden, übernehmen aber immer häufiger auch die Designverantwortung der Produkte.

Foto: Monopile

 

Nachdem die Engländer bereits seit längerer Zeit erfolgreich Offshore-Parks entwickeln, kommt die Branche nun auch in Deutschland in Schwung. An welchen Projekten ist AMBAU aktuell beteiligt, bzw. was steht als nächstes an?

Nachdem wir bei Global Tech I als Komponentenzulieferer für die Tripoden tätig waren, haben wir für das Projekt Meerwind Süd/Ost die 80 Monopiles und Transition pieces gefertigt. Momentan sind diverse Offshore-Projekte im Focus, bei denen wir liefern dürfen. Namen dürfen wir jedoch noch nicht nennen.

 

Welche Märkte beliefern Sie mit Ihren Produkten im On- und Offshore-Bereich? Beschränkt sich das auf Deutschland/Europa oder beliefern Sie auch Übersee?

Wir konzentrieren uns mit unseren Produkten und Dienstleistungen auf den europäischen Raum, haben jedoch in der Vergangenheit auch schon einige Türme nach Nordamerika geliefert. Bei den immensen Tonnagen ist es eher eine Frage der Logistikkosten als des Könnens. Mit unseren beiden Standorten in Bremen und Cuxhaven sind wir aber in der Lage, über die Nordsee weltweit alle Destinationen zu beliefern. Maritime Grenzen kennen wir daher nicht.

Foto: TP in Reihe

 

Die Turbinen im Offshore-Bereich werden immer größer und schwerer, was das eingesetzte Material vor neue Herausforderungen stellt – so hat AMBAU für MHI vor kurzem einen neuen Riesenturm ausgeliefert. Stößt das Material da nicht irgendwann an seine Grenzen oder ist ein Ende der Entwicklung in diesem Bereich noch nicht in Sicht?

Die Hersteller setzen auf die Entwicklung immer leistungsstärkerer Turbinen im Offshore-Bereich. Dabei sind die Anforderungen an das Material aber noch lange nicht ausgereizt. Wir haben noch Spielraum bei den Materialdicken und -güten und beim Durchmesser der Türme. Die Kräfte auf den Turm und auf die Gründung sind aber natürlich immens. Teilweise werden die Gondeln durch die Technologiesprünge schwerer und auch die Rotormesser werden größer. Da muss natürlich auf die Statik und Dynamik ein besonderes Augenmerk gelegt werden. Derzeit müssen wir uns aber keine Sorgen machen. Das können wir handeln.

 

Deutschland wurde in den letzten Monaten geprägt von der Diskussion um eine Reform des EEG, worunter viele Unternehmen zu leiden hatten, da Projekte vorerst auf Eis gelegt wurden. Haben Sie das auch zu spüren bekommen?

Genau genommen haben wir eine mittlerweile 7-jährige Investitionslücke im Offshore-Bereich. Begonnen mit der Wirtschafts- und Finanzkrise Ende 2008, über die fehlenden Netzanschlüsse und Finanzierungen, die dann folgende Strompreisbremse und nun musste sich die Regierung noch ein Jahr zurechtrücken, um Planungssicherheit zu schaffen. Ehe nun die Projekte in den Werkstätten landen, ist es Mitte 2015. Trotzdem haben wir diese schlechten Rahmenbedingungen vergleichsweise gut abgefangen. Die politischen Unsicherheiten transferierten sich zunehmend auch auf die Energiekonzerne, Betreiber und Banken. Ganz sind wir von diesen Auswirkungen als Zulieferer durch gestoppte Projekte natürlich nicht verschont geblieben.

 

Sind Sie zufrieden mit den Beschlüssen zur Reform oder hätten Sie sich aus unternehmerischer Sicht andere Entscheidungen gewünscht?

Zufriedenheit ist Stillstand und Stillstand ist Rückschritt … Aber man muss auch realistisch bleiben. Gut ist, dass nun die Regeln klar sind. Die Dinge sind kalkulierbar. Die Entscheidung Offshore bis 2020 6,5 GW Leistung zu installieren, hat uns nicht wirklich gewundert, da durch den Zeitverzug und die politischen Unsicherheiten der Vergangenheit in der Kürze der Zeit mehr gar nicht zu realisieren ist.

Dabei sollte man jedoch bedenken, dass einmal 20 GW und dann 10 GW als Ziel gesetzt wurden. Eine ganze Industrie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Energiewende anzupacken und sich dementsprechend mit Ihren Produkten, Dienstleistungen und vor allem immensen Investitionen in Produktionsstätten ausgerichtet. Die Bundesregierung darf die Energiewende daher nicht infrage stellen. Deutschland galt lange Zeit als Aushängeschild in Europa. Wir sollten diese Vorreiterrolle nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

 

Was stehen in naher Zukunft für Projekte an?

Nachdem das EEG am 01. August 2014 in Kraft getreten ist, wissen nun auch die Investoren, mit welchen Renditen sie bei den zu tätigen Investitionen rechnen können. Somit kommen Projekte ins Rollen. Wir sind in mehreren Projekten mit unseren Kunden in guten Gesprächen. So wie es Neuigkeiten gibt, werden wir Sie informieren.

 

Alle Fotos: Copyright AMBAU GmbH

Quelle:
AMBAU Gmbh/Windmesse
Autor:
Katrin Radtke
Email:
presse@windmesse.de
Link:
www.ambau.com/...
Windenergie Wiki:
Turbine, Tripod, Offshore, Monopile, Megawatt, Jacket, Gondel, Energiewende, Cuxhaven



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