2021-06-15
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NATURSTROM nimmt Windpark bei Rugendorf in Betrieb und fordert die Abschaffung der 10-H-Regelung

Nach einer fast einjährigen Bauphase hat die NATURSTROM AG ihren Windpark an der Grenze der oberfränkischen Landkreise Kulmbach und Kronach in Betrieb genommen.

Bild: NATURSTROM AGBild: NATURSTROM AG

Vier leistungsstarke Anlagen der 3-Megawatt-Klasse liefern genügend saubere Energie für mehr als 6.500 durchschnittliche Drei-Personen-Haushalte. Damit ersparen sie der Atmosphäre jährlich circa 14.000 Tonnen CO2. NATURSTROM-Vorstandsvorsitzender Dr. Thomas E. Banning freut sich über den neuen Windpark, mahnt aber zugleich mehr Tempo bei der Energiewende in Deutschland und gerade in Bayern ein Kippen der 10-H-Abstandsregelung an.

Vier neue Anlagen des Typs Vensys V120 drehen sich auf dem Gebiet der Gemeinden Rugendorf, Weißenbrunn, Kronach und Marktrodach und sollen dank der insgesamt installierten Leistung von 12 Megawatt (MW) plangemäß zusammen 20 Mio. Kilowattstunden (kWh) Strom im Jahr erzeugen. Jede von ihnen ragt bis auf eine Nabenhöhe von 139 Metern hinauf und hat einen Rotordurchmesser von 120 Metern. Die neuen Anlagen tragen nicht nur zur Vermeidung klimaschädlicher CO2-Emissionen bei, sondern fördern auch die Region durch Pachtzahlungen, lokale Aufträge, Gewerbesteuereinnahmen und nach Vorstellung von NATURSTROM einem Sonderstromtarif für die umliegenden Ortschaften.

Die Realisierung des Projektes fand mit einer langen Vorlaufzeit statt: Bereits 2014 wurde der Bau von drei Anlagen durch das Landratsamt Kronach genehmigt. Ein Jahr später wurde die vierte Anlage durch das Landratsamt Kulmbach bewilligt. Der Zuschlag im Ausschreibungsverfahren der Bundesnetzagentur wurde im Oktober 2018 erteilt. Zur Betrachtung der Windgegebenheiten vor Ort wurde während der Planungsphase eine Windmessung über den Zeitraum von über einem Jahr vorgenommen. Leider wurden nach Erhalt der Genehmigung durch einen Verein Klagen gegen die Windenergieanlagen eingereicht, der Bau wurde dadurch erheblich verzögert und selbst nach diversen Gerichtsentscheidungen pro Windpark gehen die Kläger*innen weiter gegen diesen vor. Ein Vorgang, der bundesweit zu beobachten ist und den Klimaschutz hintenanstellt.

Denn die Windenergie ist ein zentraler Bestandteil der Energiewende. Ohne sie ist die angestrebte Reduzierung der CO2-Emissionen nicht möglich. Die Errichtung von Windkraftanlagen trägt ebenso wie die von Solarparks nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern stärkt auch langfristig die regionale Wirtschaft. Viele Bürgerinnen und Bürger engagieren sich deshalb für den Ausbau der Erneuerbaren in Bürgerenergiegesellschaften, und auch immer mehr Stadtwerke wenden sich diesen zu.

Nichtsdestotrotz ist der Zuwachs von Windenergie in Bayern erheblich ins Stocken geraten. „Dass wir dieses Projekt erfolgreich umsetzen konnten, setzt angesichts des insgesamt nur noch geringen Windenergie-Ausbaus in Deutschland und vor allem in Bayern ein wichtiges Zeichen für die Energiewende“, bewertet Dr. Thomas E. Banning, Vorstandsvorsitzender der NATURSTROM AG, den erfolgreichen Bauabschluss.

Ungeachtet der hervorragenden Ökobilanz konnten im Jahr 2020 in Bayern nur acht Anlagen ans Netz genommen werden, 2019 waren es sogar nur sechs und 2018 ebenfalls nur acht Anlagen. Und das, obwohl Bayern als größtes Flächenland ein großes Ausbaupotenzial für Windenergie, auch im Wald, hat und gerade hier in den kommenden Jahren Stromerzeugungskapazitäten fehlen werden. Der schleppende Windausbau im Freistaat hängt vor allem mit der 2014 in Kraft getretenen 10-H-Abstandsregel zusammen. Sie besagt, dass der Abstand eines Windrads zur nächsten Wohnbebauung mindestens das Zehnfache seiner Höhe betragen muss – kein anderes Bundesland hat eine vergleichbare Restriktion. „Die 10-H-Regelung hat in Bayern fast alle Möglichkeiten für den Windenergie-Ausbau zunichte gemacht“, bedauert NATURSTROM-Chef Banning. „Eine dezentrale und umweltfreundliche Energiewende wird so bewusst behindert.“

Obwohl Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Aiwanger sowie Umweltminister Glauber (beide FW) die Regelung kritisieren und deren Abschaffung befürworten, verteidigt die CSU die umstrittene Bestimmung. Dies aber steht im klaren Widerspruch zu den Klimazielen des Freistaates – insbesondere nachdem der Ministerpräsident Söder (CSU) nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zum bundesdeutschen Klimaschutzgesetz in der vorletzten Woche erklärt hat, dass Bayern nun zum Vorreiter in Sachen Klimaschutz werden und bis 2040 klimaneutral sein soll.

„Es sind also nicht einmal mehr 20 Jahre, um von derzeit gut 22 Prozent Anteil der Erneuerbaren am Gesamtenergieverbrauch in Bayern auf annähernd 100 Prozent zu kommen. Dieses Ziel kann ohne einen sehr ambitionierten Ausbau der Solar- und Windkraftwerke im Freistaat jedoch keinesfalls erreicht werden, eine Umstellung auf einen überwiegenden Import von der Nordsee oder aus dem Ausland vernichtet Wertschöpfung in Bayern und erhöht Abhängigkeiten. Wenn da nicht schnell die Bremsen gelöst und andere Gesetze beschlossen werden, die den mittelständischen Unternehmen, den Bürger*innen und den Stadtwerken in Bayern Raum zur Gestaltung ihrer Energiezukunft geben, dann werden alle großen Ansagen zum Klimaschutz kläglich scheitern und die nächste Generation vor nicht mehr handhabbare Probleme stellen“, so Banning.

Hoffnung macht der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum bundesdeutschen Klimaschutzgesetz. Dieser Beschluss ist ein historischer Meilenstein. Er betont die Relevanz langfristiger Perspektiven zur CO2-Reduzierung im Interesse der nächsten Generation. Deutlich aufgezeigt wurde, dass es nicht nur um die politische Vorgabe eines Klimazieles zu einem bestimmten Zeitpunkt gehen kann, sondern um ein Konzept mit entsprechenden Zwischenzielen auf der Zeitachse und vor allem konkreten Maßnahmen. Damit wird zugleich die Schlüsselrolle von Erneuerbaren Energien unterstrichen, denn diese müssen nun schnellstmöglich die alten Kohle- und Atomkraftwerke ablösen. „In Europa, in Deutschland und in Bayern sollen jetzt kurzfristig die Klimaziele verschärft werden. Das ist richtig, aber es braucht nun engagiertes Handeln und passende Rahmenbedingungen, um diese Ziele auch zu erreichen. Da sind die von manchen lange schlecht geredeten Erneuerbaren Energien nun der für alle deutliche Weg in die Zukunft, da werden in ganz erheblichem Maße weitere Wind- und Solarkraftwerke benötigt. Es ist nicht länger zu wünschen, sondern es ist unbedingt erforderlich, dass die verantwortlichen Politiker*innen sowie die Bürgerinnen und Bürger, die sich durch neue regenerative Kraftwerke gestört fühlen, den Ernst der Lage verstehen und erkennen, wie wichtig der schnelle Ausbau der Wind- und Solarenergie zur Erreichung der Klimaziele ist. Wir von NATURSTROM kämpfen seit über 20 Jahren für eine zukunftsfähige Energieversorgung und Klimaschutz, und trotz unserer Erfolge kann ich nur warnen: 20 Jahre sind eine sehr sehr kurze Zeit für die anstehenden Aufgaben. Eine pauschale 10-H-Abstandsregel ist dabei hochgradig unsinnig, sie gehört schnellstens abgeschafft. Die richtigen Abstände von Windenergieanlagen zu einer Bebauung zu finden, muss Aufgabe von konkreten Planungsverfahren sein“, appelliert Banning abschließend.

Quelle:
NATURSTROM AG
Autor:
Pressestelle
Link:
www.naturstrom.de/...
Keywords:
NATURSTROM, Ökostrom, WIndprakr, Bayern, onshore, Kapazität, 10H-Regelung, Abstand, Oberfranken, CO2, Deutschland
Windenergie Wiki:
Windpark, Nabe, MW, Megawatt, Energiewende, Bundesnetzagentur



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