2020-07-04
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Energiewende Reloaded?

Das Coronavirus hat die Welt auf den Kopf gestellt. Nachdem die große Gesundheitskrise halbwegs eingedämmt wurde, steht nun die Frage nach dem wirtschaftlichen Wiederaufbau im Mittelpunkt. Es bietet sich die vielleicht einmalige Chance für einen kompletten Neustart – damit die nächste anstehende Krise, die Klimakatastrophe, vielleicht doch noch verhindert werden kann.

Bild: PixabayBild: Pixabay

Deutschland sieht sich gern als Mutterland der Energiewende. Doch mit dem Pioniergeist ist es nicht mehr weit her. Zunächst zwang eine missgünstige Politik die heimische Solarbranche fast in die Knie. Erst seit einiger Zeit erholt sich der Markt langsam wieder und die Zahl der Neuinstallationen steigt.

Es folgte ab 2017 die Umstellung auf das Ausschreibungsmodell in der Windindustrie – mit verheerenden Folgen. Die Anzahl der Installationen brach von einem Rekordniveau auf einen kümmerlichen Rest ein – so wurden im vergangenen Jahr nur noch 279 Windkraftanlagen in Deutschland aufgestellt. Aber auch langwierige Genehmigungsprozesse und Klagen von Anwohnern trugen ihren Teil zum Einbruch bei.

Wieder sind die Probleme hausgemacht, erneut trägt die Politik eine Mitschuld. Die Große Koalition hat das Thema Energiewende lange vor sich hergeschoben, entscheidende Änderungen an den Gesetzen, zum Beispiel zum Thema Mindestabstand oder Solardeckel, immer wieder verschoben. Zu lange wurde auch auf die Lobbyisten aus der mächtigen Automobilbranche gehört, die gebetsmühlenartig von den vielen Arbeitsplätzen sprachen, die bei mehr Umweltschutz verloren gehen würden.

2020 ist jedoch alles anders. Bereits Ende letzten Jahres wurde Deutschland 'aus dem eigenen Lager' verschreckt. Ursula von der Leyen, die kürzlich noch selbst in der deutschen Regierung saß, verkündete als Präsidentin der Europäischen Kommission plötzlich den 'Green Deal'. Europa will Klimaschutz, alle Länder sollen mitziehen, jeder seinen Teil beitragen. Plötzlich war Deutschland unter Zugzwang. Dann kam auch noch Corona hinzu. Es tat sich auf einmal die Chance auf, die Wirtschaftspolitik noch einmal komplett neu zu gestalten, denn die EU will am Green Deal festhalten.

Seit mehreren Monaten bezieht Deutschland mehr als die Hälfte seines Stroms aus erneuerbaren Quellen. Auch im Lockdown produzierten die Anlagen zuverlässig Strom aus Wind und Sonne. Ein Blick ins Ausland zeigt, dass in anderen Ländern ebenfalls vor allem erneuerbare Energie den Blackout verhinderte.

Großbritannien ist kohlestromfrei (Bild: Pixabay)

Mitten in dem von Coronakrise und Brexit gebeutelten Land macht Großbritannien derzeit Schlagzeilen der anderen Art. Positive Schlagzeilen, denn ein Meilenstein ist erreicht: Seit zwei Monaten wird auf der Insel keine Kohle mehr zur Stromerzeugung verbrannt.

Noch vor zehn Jahren stammten etwa 40 Prozent der Elektrizität des Landes aus Kohle, mittlerweile ist davon nichts mehr zu spüren. Der Netzbetreiber National Grid nahm zu Beginn des britischen Lockdowns viele Kraftwerke vom Netz, da die Stromnachfrage massiv einbrach. Darunter auch die noch verbleibenden vier Kohlekraftwerke – und seitdem wurden sie nicht mehr angeschaltet.

Das Land will ohnehin bis 2025 aus der Kohle aussteigen. Vielleicht ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt dafür. Dafür hat das Land viel investiert, ist zum Weltmarktführer der Offshore-Windindustrie aufgestiegen.

„In diesem Jahr haben erneuerbare Energien bisher mehr Strom erzeugt als fossile Brennstoffe. Das hat es noch nie gegeben“, sagt Dr. Simon Evans von Carbon Brief gegenüber der BBC. „Da auch Gas rückläufig ist, besteht eine reelle Chance, dass die erneuerbaren Energien die fossilen Brennstoffe im Jahr 2020 insgesamt überholen werden“.

Ist Wasserstoff wirklich der Heilsbringer? (Bild: Pixabay)

Und Deutschland? Der Kohleausstieg soll sich noch bis 2038 hinziehen, auch wenn die deutschen Kraftwerke mit zu den schmutzigsten in Europa gehören. Dafür hat das Land gestern eine Nationale Wasserstoffstrategie vorgestellt, inklusive globalem Führungsanspruch auf diesem Gebiet.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: „Mit Wasserstoffstrategie stellen wir die Weichen dafür, dass Deutschland bei Wasserstofftechnologien die Nummer 1 in der Welt wird. Die Zeit für Wasserstoff und die dafür nötigen Technologien ist reif. Wir müssen daher jetzt die Potenziale für Wertschöpfung, Beschäftigung und den Klimaschutz erschließen und nutzen. Denn Wasserstoff wird ein Schlüsselrohstoff für eine erfolgreiche Energiewende sein. Er wird als Energieträger der Zukunft sowohl in Deutschland als auch weltweit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Dabei wird Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen, wie wir es vor 20 Jahren bereits mit der Förderung der Erneuerbaren Energien getan haben.“

Aussagen, die auch über Solar und Wind einst getätigt wurden. Wie schnell sich die Stimmung ändern kann, weiß man nun aber auch.

Autor:
Katrin Radtke
Email:
presse@windmesse.de
Keywords:
Deutschland, Großbritannien, Green Deal, EU, Europa, Corona, Wiederaufbau, Wind, Solar, Kohle, Strom, erneuerbare Energie, Politik, Fehler, Wasserstoff
Windenergie Wiki:
Offshore, Energiewende, Brexit



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