2019-10-20
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Gegen den Trend: Europas Investitionen in Erneuerbare sind weiter rückläufig

Die Investitionen in erneuerbare Energien sind im letzten Jahr weltweit auf die beachtliche Höhe von 286 Milliarden Dollar gestiegen. Konventionelle Kraftwerke konnten mit ca. 130 Milliarden Dollar dagegen nicht einmal mehr mehr halb so viele Gelder anziehen. In dieser Zahl steckt gleichzeitig aber auch ein Dilemma, denn erstmals haben die Schwellen- und Entwicklungsländer mit 158 Milliarden Dollar die Industrienationen mit 130 Milliarden überholt.

Zu viel Erneuerbare? Europa hat keine Lust mehr... (Foto: kr)Zu viel Erneuerbare? Europa hat keine Lust mehr... (Foto: kr)

Unbeeindruckt von diesem Trend zeigen sich bisher unter den Industrienationen nur die USA, die ein Wachstum von 19 Prozent verzeichnen konnten. Vor allem im Bereich der Onshore-Windenergie sind die Amerikaner nicht zu schlagen, allen voran der Bundesstaat Iowa, der im letzten Jahr seinen Energiebedarf zu 30 Prozent allein aus Windenergie decken konnte. „Die amerikanische Windkraft ist auf einem guten Weg, um bis 2030 einen Anteil von 20 Prozent am Strommix des Landes zu generieren“, kommentierte AWEA-Präsident Tom Kiernan kürzlich die guten Zahlen.

Aber während die USA ihre Spitzenposition vor den Chinesen, die auf ein Wachstum von 17 Prozent kamen, verteidigten, machte sich vor allem in Europa ein negativer Trend bemerkbar: Hier fielen die Investitionen um deutliche 21 Prozent. Die Zahlen für die einzelnen Länder verdeutlichen dies umso mehr. In Deutschland lag der Rückgang bei 42 Prozent, in Frankreich bei 62 Prozent und in den Niederlanden sogar bei 82 Prozent, wie IG Windkraft berichtet.

„Es ist offensichtlich, dass die Investitionen in den meisten Ländern sehr stark von den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen abhängig sind und die bestehenden Strommarktdesigns nach wie vor keine gleiche Ausgangsbasis für Erneuerbare und Konventionelle schaffen“, kommentiert Silvia Kreibiehl von der Frankfurt School of Finance & Management, verantwortlich für die Erhebung der Zahlen, die Studie.

So hemmen beispielsweise in Österreich Unsicherheiten über staatliche Rahmenbedingungen Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien. „In den letzten vier Jahren hat die österreichische Windbranche im Durchschnitt pro Jahr rund 550 Mio. Euro investiert, soviel wie kaum eine andere Industriebranche“, so Stefan Moidl von der IG Windkraft. Aber: „Derzeit stehen 1,2 Mrd. Euro Investitionen aufgrund unsicherer Rahmenbedingungen im Windenergiebereich an der Kippe“.

Großbritannien bekam in dieser Woche bereits eine deutliche Quittung für seine Unsicherheits-Politik der vergangenen Monate. Im Index, der die Investitionsstimmung im Bereich der erneuerbaren Energien misst, fiel UK vom ersten auf den 13. Platz zurück. „Der unverbindliche Ansatz [der Regierung] lässt die Attraktivität für Investitionen in erneuerbare Energien in Großbritannien Erdrutsch-artig fallen. Der derzeitige Ansatz widerspricht damit der derzeit fast universellen Unterstützung für erneuerbare Energien“, erklärt Ben Warren von Ernst & Young dem Guardian.

Ähnliches lässt sich auch für Deutschland und Frankreich feststellen: Deutschland rutscht im Index auf Platz 5 ab, die Franzosen auf den 8. Rang. Ganz vorne: Die USA vor China, Indien und Chile. Die Amerikaner konnten sich den ersten Rang vor allem durch eine fünfjährige Verlängerung des Steuerpakets PTC sichern. Vor allem aber der Sprung der Chilenen ist bemerkenswert, denn das nur 18 Millionen Einwohner zählende Land hat sich in den letzten Jahren eine Spitzenposition vor allem im Bereich der Windenergie erarbeitet.

Wirft man dagegen einen Blick auf die heimische Windindustrie der letzten Monate, zeigt sich eine Branche, die zutiefst verunsichert ist. Die Reform des EEG und der kommende Umstieg auf ein Auktionssystem haben ihre Spuren hinterlassen. Die norddeutschen Bundesländer haben ihre Position bereits vor einiger Zeit im ‚Wismarer Appell‘ formuliert: Keine Deckelung für die Windenergie, stattdessen ist auch weiterhin ein starker Zubau notwendig, um die vielen Arbeitsplätze zu sichern. „Die Bundesregierung ist dabei durch restriktive Korridore und die Behinderung kleiner Akteure den Heimatmarkt aus dem Tritt zu bringen. Wenn die Branche hier ins Stolpern gerät, gefährdet dies die Technologieführerschaft in wachsenden Weltmärkten“, so Andreas Jesse, Bundesverband WindEnergie und Andree Iffländer, WindEnergyNetwork gegenüber der Presse.

Auch in Niedersachsen geht die Angst vor dem Deckel um: Derzeit liegt das Land mit 8600 MW installierter Windenergieleistung im bundesweiten Schnitt noch auf Platz 1. Ministerpräsident Stephan Weil betonte zu Beginn der Woche gegenüber der Kreiszeitung, dass sich seine Regierung auch in Berlin für den Ausbau der Erneuerbaren stark machen werde: „Wir haben Probleme damit, wenn Ausbauziele reduziert werden und wenn es beispielsweise noch Deckelungen für bestimmte Regionen gibt. Es ist nicht zu bestreiten: Es gibt in der Bundesregierung und im Bundestag starke Kräfte, die stehen auf der Bremse, die wollen teilweise das Rad auch etwas zurückdrehen.“

Gemeint haben dürfte er damit unter anderem das CSU-geführte Bayern. Dort ist die Stimmung in der Windbranche im Keller angelangt: So wies das bayerische Verfassungsgericht am Dienstag eine Klage der Opposition gegen die 10H-Regelung der CSU ab. Der Windenergieausbau ist durch die Anwendung der 10H-Regel in den letzten Monaten bereits zum Erliegen gekommen, da kaum noch passende Flächen für Turbinen zur Verfügung stehen. Eike Hallitzky, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, erklärte gegenüber dem IWR entsprechend deutlich: „Ein energiepolitischer Amoklauf bleibt ein energiepolitischer Amoklauf, auch wenn er rechtlich zulässig ist. Während weltweit erneuerbare Energien in rasantem Tempo ausgebaut werden, hat die CSU mit der 10H-Regelung den Ausbau der Windenergie in Bayern praktisch auf Null gestellt und sich damit vom globalen Siegeszug der Erneuerbaren Energien abgekoppelt.“

Damit liegt man zwar wiederum im europäischen Trend – aber das darf in diesem Fall nicht erstrebenswert sein. Die Bundesregierung sollte stattdessen lieber dafür sorgen, dass es auch zukünftig solche Schlagzeilen wie am vergangenen Wochenende gibt: Da ließen erste Zahlen vermuten, dass in Deutschland – der viertgrößten Wirtschaftsnation der Welt – für einen kurzen Zeitraum erstmals knapp 95 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt wurden. Solche Zahlen beeindrucken schließlich auch künftige Investoren.

Grafik: Agora Energiewende

Autor:
Katrin Radtke
Email:
kr@windmesse.de
Windenergie Wiki:
Turbine, MW, Energiewende, 10H-Regelung



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