2021-12-08
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Offshore-Windpark Nordergründe: Lokale Wertschöpfung ist Trumpf

Der erste komplett deutsche Windpark soll nächstes Jahr gebaut werden / Alle Unternehmen stammen aus dem Nordwesten des Landes

Die deutsche Offshore-Windbranche hatte lange mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Hohe Installationskosten, mangelnde Erfahrung sowie Fehler bei Bau und Planung führten zu einigen Insolvenzen beteiligter Firmen und stellten einen ganzen, jungen Industriezweig in Frage. In den letzten Monaten hat sich das Bild allerdings gewandelt: Die ersten Parks sind am Netz und speisen Strom ein – teilweise sogar mehr als vorher gesagt. Die Kosten sinken und neue Aufträge füllen die Pipelines. Ende letzten Jahres konnte schließlich das Erreichen der wichtigen 1 Gigawatt-Marke vermeldet werden. Nun kommt eine weitere Erfolgsgeschichte hinzu: Letzte Woche wurde angekündigt, dass im nächsten Jahr der erste Park unter Beteiligung ausschließlich deutscher Unternehmen gebaut wird. Alle beteiligten Firmen haben ihren Sitz in Deutschland, genauer gesagt im Nordwesten des Landes.

Das Unternehmen Energiekontor hat 2013 die Rechte an wpd verkauft. (Bild: Energiekontor)

 

Das Projekt Nordergründe wird im Jahr 2016 15 Kilometer nordöstlich der ostfriesischen Insel Wangerooge in der 12-Seemeilen-Zone der deutschen Nordsee gebaut. Der Park wird eine Leistung von 111MW haben und soll ab Herbst kommenden Jahres 70.000 Haushalte mit grünem Strom versorgen.

AMBAU stellt für Nordergründe, der in bis zu 10 Meter tiefem Wasser stehen wird, die Fundamente her. Das Unternehmen hat diese Aufgabe auch für den Ostsee-Windpark EnBW Baltic 2 durchgeführt, der Ende letzten Jahres errichtet wurde. Die Umspannstation wird von der BVT Brenn- und Verformtechnik Bremen GmbH geliefert, für die Verkabelung des Parks zeigen sich die Norddeutschen Seekabelwerke NSW verantwortlich.

Verladung von Fundamenten (Bild: AMBAU)

 

Bei den Turbinen setzt der Bremer Windparkentwickler wpd erstmals auf die Sechs-Megawatt-Anlagen des Herstellers Senvion. Die Turbinen und Rotorblätter des Hamburger Unternehmens werden in Bremerhaven bei Senvion und PowerBlades produziert, von wo aus man sie auf dem Seeweg direkt zu ihrem Bestimmungsort befördert. Jede Gondel ist so groß wie zwei Einfamilienhäuser und wird in einer Nabenhöhe von 97 bis 100 Metern errichtet. Die Rotorblätter sind etwas über 60 Meter lang und wiegen jeweils rund 23 Tonnen. Der Rotorstern hat einen Durchmesser von 126 Metern, wobei die überstrichene Fläche größer als zwei Fußballfelder ist.

Die 6.2M126-Turbinen kommen in Nordergründe zum Einsatz. (Bild: Senvion)

 

Der Bremer Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen, Martin Günther, zeigt sich über das Zustandekommens des Projekts sehr erfreut, denn positive Meldungen kann der Bremer Arbeitsmarkt gebrauchen, nachdem zuletzt eher die Themen Insolvenz von WeserWind und Kurzarbeit bei Areva und PowerBlades die Öffentlichkeit dominierten: „Heute ist mehr denn je klar geworden, dass die Kurzarbeit als Instrument für eine Überbrückungszeit richtig gewählt wurde. Vor allem möchte ich mich für die konstruktive Zusammenarbeit mit Senvion bedanken, dank der wir weiterhin einen Weg mit langfristiger Perspektive gehen können.“

Für die Fundamente des Windparks und der Umspannstation sorgt Bilfinger Marine & Offshore Systems. Die 18 Windkraftanlagen werden auf bis zu 55 Meter langen Monopiles errichtet. Bilfinger übernimmt außerdem den Transport bis zur Einbaustelle. Auch bei Bilfinger lief es in den letzten Monaten im Offshore-Sektor nicht wie erhofft, weshalb sich das Unternehmen mittlerweile gezwungen sieht, diesen Geschäftsbereich zum Verkauf zu stellen. Der Auftrag von Nordergründe wird dadurch jedoch nicht beeinträchtigt.

Bilfinger stellt die Fundamente her. (Bild: Bilfinger)

 

Geschäftsführer Achim Berge Olsen von der wpd offshore GmbH betont, dass es nicht von Anfang an feststand, nur deutsche Unternehmen zu beteiligen: „Nein, das ist das rein kommerzielle Ergebnis unserer internationalen Ausschreibung. Dies wurde erst am Ende deutlich. Es muss immer eine internationale Vergabe geben und Nordergründe zeigt, dass lokale Anbieter dabei sehr gute Chancen haben und dass insbesondere die deutschen Anbieter konkurrenzkräftig sind.“

wpd verfügt über eine immense Pipeline und hat insgesamt 6400MW offshore in Planung, darunter die französischen Projekte Courseulles und Fécamp im Ärmelkanal mit zusammen fast 1.000MW (Baubeginn ebenfalls 2016). Auf den deutschen Markt kommen allerdings Veränderungen zu: So wird es zukünftig einen Ausbaudeckel geben, außerdem sollen Ausschreibungen eingeführt werden.

 

Der rein deutsche Windpark könnte daher eine Momentaufnahme bleiben. Achim Berge Olsen von wpd begrüßt zwar die Reform des EEG, verweist aber auf kommende Probleme: „Für eine begrenzte Zeit besteht jetzt Planungssicherheit. Nach Erreichen des Deckels aber wieder große Unsicherheit.“

 

Ähnlich äußert sich Andreas Nauen, Vorstandsvorsitzender von Senvion: „Zu einer erfolgreichen Energiewende gehört Offshore-Windenergie: klare Rahmenbedingungen sorgen endlich erneut für Auftragseingang. Dank der klaren Vergütungsregelungen im EEG haben unsere Kunden vorerst Planungssicherheit, aber die deutsche Offshore-Branche braucht zeitnah klare Signale für die Jahre nach 2019. Die Vorbereitung auf das EEG 3.0 ist der nächste Schritt, der bereits in diesem Jahr begonnen werden muss.“ Achim Berge Olsen ergänzt: „Es wird auf das genaue Design des Ausschreibungsmodells ankommen. Wichtig ist, möglichst vielen Akteuren die Marktteilnahme realisierbar zu machen.“

Autor:
Katrin Radtke
Email:
kr@windmesse.de
Windenergie Wiki:
Windpark, Turbine, Offshore, Nabe, Monopile, Megawatt, Hamburg, Gondel, Energiewende, Ausschreibungen



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