2020-08-12
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Offshore-Windparks als Autobahnraststätte?

Dass der Bau von Offshore-Windparks mit Lärm und Belastungen für die örtliche Tierwelt verbunden ist, steht außer Frage. Aber hat ein fertiger Windpark sogar positive Auswirkungen, indem er für neue Vielfalt in seinem Gebiet sorgt? Forscher aus den USA ziehen einen ungewöhnlichen Vergleich.

Der Meeresboden des Schelfs bietet keine Struktur (Bild: Pixabay)Der Meeresboden des Schelfs bietet keine Struktur (Bild: Pixabay)

Die Amerikaner haben sich bislang beim Bau von Offshore-Windparks zurückgehalten, auch wenn große Teile an der Ostküste bereits als potentielle Baugebiete vorgesehen sind. Gerade die Frage nach der örtlichen Flora und Faune ist ein großer Streitpunkt, denn Fischer sehen ihre Existenz durch die Parks bedroht, während Naturschützer Angst um die Pflanzen- und vor allem Tierwelt haben.

Nun kommen Forscher der University of Maryland in den USA zu der Annahme, dass ein Offshore-Windpark durchaus auch positive Auswirkungen haben kann. Im Fokus der Untersuchungen der Universität standen der vom Aussterben bedrohte Atlantische Stör und der für die Fischerei bedeutsame Felsenbarsch. Für diese Arten dient der Küstenschelf vor den Bundesstaaten Delaware, Maryland und Virginia als wichtige 'Zugroute' im Frühjahr und Herbst. Das Gebiet dient den Fischschwärmen dann – ähnlich wie bei Zugvögeln – als Zwischenstopp zwischen ihren Nahrungs- und Brutgebieten.

Die Autoren der neuen Studie vermuten, dass die Entwicklung von Windparks auf dem DelMarVa-Küstenschelf, 17-26 Meilen von der Küste vor Ocean City (Maryland) entfernt, das Zugverhalten dieser Fische verändern könnte, da neue Windturbinen in dieser ansonsten strukturlosen Region einen Lebensraum schaffen, in dem sich die Fische länger aufhalten können.

Studien innerhalb der Maryland Wind Energy Area – das sind die Gewässer des Küstenschelfs, die von der zuständigen Behörde Bureau of Ocean Energy Management (BOEM) für Offshore-Windparks verpachtet wurden – zeigen, dass der Atlantische Stör und der Felsenbarsch häufige Besucher dieses Territoriums sind. Saisonale Trends lassen den Schluss zu, dass das Windenergiegebiet innerhalb eines wichtigen Migrationskorridors für beide Arten liegt. Der Atlantische Stör wurde am häufigsten beobachtet, als er sich im Frühjahr und Herbst durch das Gebiet bewegte, während der Felsenbarsch im Frühjahr und Winter verstärkt auf Wanderung war.

Der Bau eines Offshore-Windparks erzeugt zunächst laute Geräusche und erhöhte Aktivität in dem Gebiet, die das typische Verhalten der Tiere stören können. Das geringe Vorkommen dieser wichtigen Fischarten während der Sommermonate deutet allerdings auf ein mögliches Fenster für den Bau der Anlagen hin, in dem die Auswirkungen minimiert werden könnten.

Ellie Rothermel von der University of Maryland konfiguriert einen Soundempfängers, bevor er erneut ins Meer gelassen wird (Bild: University of Maryland)

"Wissenschaftler haben viel über die jahreszeitlichen Muster der Habitatauswahl des Atlantischen Störs und des Felsenbarschs innerhalb von Laichflüssen, Flussmündungen und Schelfjagd-Lebensräumen gelernt", sagt Ellie Rothermel, eine Autorin der Studie, die kürzlich ihren Master-Abschluss am University of Maryland Center for Environmental Science erhielt. "Mittlerweile wissen wir, wo sich die Fische in diesen Zeiten wahrscheinlich aufhalten und wann sie dort erwartet werden, aber unsere Informationen über Ort und Zeitpunkt der wichtigsten Küstenwanderungen sind noch immer begrenzt. Die Küstengewässer waren für Wissenschaftler bisher weitgehend unzugänglich.“

Dies hat sich durch die Aussicht auf Offshore-Windenergie grundlegend geändert. So hat die zuständige Behörde die Erstellung der Studie gefördert, um im Vorfeld über die Auswirkungen der Windparks informiert zu werden.

Ein Ergebnis der Studie liegt nun vor: Der künftige Offshore-Windpark von Maryland könnte laut einer Annahme zu einer Zwischenstation für die Fische werden, in der Felsenbarsche und Störe länger verweilen. Der DelMarVa-Küstenschelf ist von Natur aus ein relativ unfruchtbares Gebiet. Der Bau von am Meeresboden verankerten Windkraftanlagen würde allerdings eine Struktur am Meeresboden schaffen, um die sich Fische während der Wanderungen sammeln und aufhalten könnten. Zudem sammeln sich am Fuß der Anlagen Muscheln und anderes Kleingetier an, wie bereits aus europäischen Studien bekannt ist.

Autobahnraststätte: Anhalten, Pause machen, eine Kleinigkeit essen (Bild: Pixabay)

„Um die Metapher einer Autobahnfahrt zu nutzen, könnte der Windpark, der in dem Gebiet vor der Küste von Ocean City gebaut werden soll, zu einer 'Raststätte' werden, wo Fische und Haie einen Happen essen und eine Pause machen können, bevor sie ihre Reise fortsetzen", sagt Dave Secor, ein weiterer Mitautor der Studie, vom Center for Environmental Science der Universität von Maryland.

Das würde bedeuten, dass die Anlagen nicht nur für ein schnelles Vorankommen bei der Energiewende sorgen, sondern gleichzeitig für das Wohlbefinden der Tier- und Pflanzenwelt sorgen.

Autor:
Katrin Radtke
Email:
presse@windmesse.de
Keywords:
USA; Studie, Forschung, Wissenschaft, Flora, Fauna, Meeresboden, Windkraftanlage, Windpark, University of Maryland, offshore, Tiere, Pflanzen
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