2019-09-17
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Deutschland unter Zugzwang: Wann kommt endlich der Kohleausstieg?

Während die Kohlekommission in Deutschland noch um den richtigen Zeitpunkt für den Kohleausstieg ringt, schaffen die Forscher Tatsachen und legen sich fest: Nur wenn Deutschland bis 2030 aus der Kohle aussteigt, kann es die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens, die Erderwärmung bei max. 1,5 Grad zu halten, noch erreichen.

Blick auf die CO2-Emissionen von Deutschland (Grafik: Climate Analytics)Blick auf die CO2-Emissionen von Deutschland (Grafik: Climate Analytics)

Dass Deutschland beim Klimaschutz schludert, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr: Der einstige Energiewende-Pionier hat in den letzten Jahren mehr und mehr Probleme, seinen Verpflichtungen beim Thema Klimaschutz und Energiewende nachzukommen. Abgasskandal, Dieselfahrverbote, Verzögerungen bei Sonderausschreibungen, Verfehlungen der Klimaschutzziele – die Liste wird lang und länger.

Unterdessen soll die eigens berufene ‚Kohlekommission‘ festlegen, wann und wie Deutschland endlich aus der umweltschädlichen Kohleverstromung aussteigt. Doch während die Kommission noch um Zeitpläne und Maßnahmen streitet, erhöhen neue Forschungsberichte den Druck auf die Bundesregierung, endlich konkret zu handeln. Denn die Zeit drängt.

Kohleausstieg bis 2030

Wie ein neuer Bericht des Klimafoschungsinstituts Climate Analytics zeigt, ist es zwingend notwendig, dass der Kohleausstieg hierzulande bis 2030 erfolgen muss, will Deutschland seinen Beitrag zum Pariser Klimaschutzabkommen noch erreichen. Das Abkommen sieht vor, dass die Erderwärmung nicht auf mehr als 1,5 Grad steigen darf, sonst drohen spätestens im Jahr 2100 apokalyptische Szenarien wie Dürre, Hungersnöte und Überschwemmungen.

„Durch den schnellen Ausstieg aus der Kohle zur Stromerzeugung bis 2030 könnte Deutschland sein Emissionsziel für 2020 erreichen, durch die Verringerung der Luftverschmutzung massive Gesundheitsgewinne im ganzen Land erzielen und dringend benötigten frischen Wind in die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende bringen", erläutert Dr. Carl-Friedrich Schleußner, Leiter der Abteilung Klimafolgen bei Climate Analytics, die Vorteile des Ausstiegs.

Deutschland als Vorbild

Dabei kommt Deutschland auch aus globaler Sicht eine wichtige Rolle zu, denn zum einen ist Deutschland der größte Treibhausemittent der EU, zum anderen genießt die starke Wirtschaft Vorbildcharakter. Denn wenn Deutschland den Ausstieg schaffen kann, dann können andere Länder es auch.

„Ein strukturierter Kohle-Ausstiegsplan für 2030 sowie die Stilllegung von Kohlekraftwerken bis 2020, um seit langem bestehende Ziele zu erreichen, würden den übrigen EU-Ländern und der internationalen Gemeinschaft signalisieren, dass Deutschland es weiterhin ernst meint mit der Bekämpfung des Klimawandels und der Umsetzung des Pariser Abkommens – und es würde Deutschlands Ruf als Klimaschutzvorreiter erneuern“, sagte Paola Yanguas Parra, Leiterin der Studie und Analystin für Klimapolitik bei Climate Analytics. Bereits bei der Energiewende hat Deutschland vorgemacht, dass auch große Volkswirtschaften in der Lage sind, genug Ökostrom zu produzieren, ohne dass es zu Engpässen kommt.

Die deutsche Bevölkerung ist sich einig: Der Kohleausstieg muss schnell kommen (Bild: Bernd Arnold / Greenpeace)

Fünf vor zwölf

Auch Fatih Birol, Chef der International Energy Agency (IEA), wiederholte erst kürzlich auf einer Konferenz, dass es fünf vor zwölf ist: „Es tut mir leid, aber ich habe sehr schlechte Nachrichten. Meine Zahlen lassen mich verzweifeln.“ Angesichts der Tatsache, dass in den ersten neun Monaten des Jahres die Emissionen erneut auf ein Rekordhoch zusteuern, stehen „die Chancen schlechter und schlechter, jedes Jahr, jeden Monat“ die angepeilten Zahlen von 1,5 Grad noch zu halten, so Birol laut dem Nachrichtenportal Climate Home News.

Zwei Ausstiegsszenarien

Der Bericht von Climate Analytics schlägt zwei konkrete, mit dem Pariser Abkommen vereinbare Zeitpläne für den Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland vor. Aus der "Sichtweise des Regulierers" würden zunächst die klimaschädlichsten Blöcke geschlossen. Die "Sichtweise der Kraftwerksbetreiber" würde stattdessen zuerst die am wenigsten wirtschaftlichen Blöcke schließen. So oder so müsste mit dem Ausstieg schnell begonnen werden: Bis 2020 müssten demnach 16 Gigawatt Kohlekraftwerksleistung still gelegt werden.

Weniger radikal waren im Vergleich dazu noch die Vorschläge einer weiteren Studie, die kürzlich das Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (Fraunhofer IEE) im Auftrag für Greenpeace aufgestellt hat: Demnach müssten bis 2020 nur 6,1 Gigawatt abgeschaltet werden.

Kein 'Weiter so': Entweder müssten die Kraftwerksblöcke abgeschaltet oder gedrosselt werden (Grafik: Greenpeace)

Nichtsdestotrotz muss gehandelt werden – und zwar schnell. „Jetzt wäre es Zeit, dass Angela Merkel mal wieder sagt: Ja, wir schaffen das“, kommentierte Anke Peters, Greenpeace-Expertin für Energie, die Ergebnisse. „Der Kohleausstieg ist eine große und schwierige Aufgabe. Aber er kann gelingen. Er ist notwendig – und er ist eine Chance für Deutschland.“

Autor:
Katrin Radtke
Email:
presse@windmesse.de
Keywords:
Deutschland, Kohleausstieg, Studie, Climate Analytics, Kommission, Greenpeace, Fraunhofer IEE, Pariser Klimaabkommen, 1, 5 Grad, Erderwärmung, CO2
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