2020-08-09
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Bilanz Offshore-Windenergie 2015 in Deutschland

Letztes Jahr ist die Offshore-Windenergie in Deutschland so richtig in Schwung gekommen. Nachdem es in den Jahren zuvor bei der Anbindung der Leitungen ans Festland wiederholt zu Verzögerungen gekommen ist, gehören solche Probleme mittlerweile der Vergangenheit an.

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg (Foto: BSH)Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg (Foto: BSH)

So wurde 2015 ein neuer Offshore-Rekord aufgestellt: Anlagen mit einer Leistung von 2.282,4MW gingen neu ans Netz, die Anzahl der errichteten Turbinen stieg laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) von 135 Turbinen Ende 2014 auf 738 Turbinen Ende 2015. Deutschland verfügt damit über eine Nenn-Leistung von 3.041 MW auf See. Laut der AG Energiebilanzen wurden im Jahr 2015 offshore über 8 Terrawattstunden Strom produziert. Dies entspricht dem Strombedarf von über 2 Millionen Haushalten oder etwa 1,4 Prozent der Bruttostromversorgung in Deutschland.

Allerdings sieht die Offshore-Branche diesen Rekord mit gemischten Gefühlen. Einig ist man sich darin, dass es sich bei den Zahlen um einen einmalig hohen Wert handelt, der vor allem auf Nachholeffekte zurückzuführen ist: Verzögerungen bei der Fertigstellung von Offshore-Netzanschlüssen, die seit 2013 den Ausbau immer wieder gelähmt hatten, konnten im letzten Jahr endlich beseitigt werden. So wurde der Eindruck eines Baubooms erweckt. Viele der Parks befanden sich aber bereits länger in der Bauphase und konnten nur erst letztes Jahr angeschlossen werden.

So ging beispielsweise Ende April in der deutschen Nordsee der Windpark Dan Tysk (288 MW) offiziell ans Netz. Im September wurden zudem die Offshore-Projekte Butendiek (288 MW), der Trianel-Windpark vor Borkum (200 MW) und Global Tech I mit 80 Anlagen und einer Gesamtleistung von 400 Megawatt in der Nordsee eingeweiht. Im gleichen Monat folgte mit EnBW Baltic 2 (288 MW) auch ein Park in der Ostsee.

Windparks in der deutschen Nordsee. (Bild: BMWi)

Derzeit laufen in der deutschen Nordsee 11 Windparks im Probebetrieb. Wenn alle Nebenbestimmungen erfüllt sind, erhalten die Parks die abschließende Betriebsfreigabe. Unter wirtschaftlichen Aspekten gibt es laut BSH allerdings keinen Unterschied zwischen einem Probebetrieb und einem Betrieb nach Betriebsfreigabe, da der eingespeiste Strom bereits regulär vergütet wird.

Mit dem scheinbaren Bauboom auf See einher ging auch ein Wandel der Arbeitsfelder bei der zuständigen Behörde: War das BSH in der Vergangenheit vor allem für die Erteilung der Baugenehmigungen zuständig, wurde letztes Jahr nur eine einzige Genehmigung neu erteilt. Stattdessen veränderten sich die Aufgaben in den letzten Monaten vor allem hin zur Bauaufsicht, die für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen zu sorgen hat. Im Mittelpunkt steht beim Bau auf hoher See vor allem der Umweltschutz, denn gerade der Baulärm stört die empfindliche Flora und Fauna in den Ozeanen.

So gilt in Deutschland eine Obergrenze von 160 Dezibel bei den Schallemmissionen während der Bauphase. Dr. Bernd Brügge, Leiter der Abteilung Meereskunde beim BSH, weist allerdings auf die technischen Fortschritte hin, die es hier in der Vergangenheit gegeben hat: „Ja, die Obergrenze wird eingehalten. Es sei denn, es treten beim Bau technische Probleme auf. Insgesamt greift die Maßnahme aber problemlos.“ So gibt es heutzutage verschiedene Methoden wie etwa den großen Blasenschleier, um den Lärm beim Einrammen der Fundamente einzudämmen.

Windpark Butendiek (Foto: wpd)

Grundsätzlich kann in den Gebieten der Offshore-Parks ein Anstieg der Artenvielfalt beobachtet werden. Da in den Parks nicht gefischt werden darf und die Fundamente der Turbinen als künstliche Riffe dienen, fühlen sich dort viele Tiere wohl. Für konkrete Zahlen ist es allerdings noch zu früh, aber Brügge betont, dass die Beobachtung dieser Entwicklung vom BSH wissenschaftlich begleitet wird.

Die Branche prognostiziert derweil für 2016 einen Zubau von rund 700 Megawatt. Allerdings sorgen die Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für einige Sorgenfalten bei den Projektierern. So stellte der kürzlich veröffentlichte Bericht „Status der Offshore-Windenergie in Deutschland“ im Auftrag von Arbeitsgemeinschaft Offshore-Windenergie (AGOW), Bundesverband WindEnergie (BWE), Stiftung OFFSHORE-WINDENERGIE, VDMA Power Systems und Windenergie-Agentur WAB heraus, dass es bei der konkreten Ausgestaltung des zukünftigen Ausschreibungssystems entscheidend sein wird, wie die Übergangs- und Startphase bis Mitte der 2020er Jahre aussieht. Sie muss in Volumen, Häufigkeit und Dauer mit industriepolitischem Fingerspitzengefühl gestaltet werden. Dazu ist es nötig, die Übergangszeit auf mindestens vier Jahre festzulegen und in dieser Zeit mehr als eine Ausschreibung vorzunehmen.

Problematisch bei der Gestaltung des Ausschreibungsdesigns für Windenergie auf See ist außerdem der angedrohte Entzug von bereits erteilten Baugenehmigungen ohne angemessene Entschädigung. Dies würde die Rechtssicherheit für entwickelte Projekte in Frage stellen und die Planungssicherheit auch für künftige Investitionen stark einschränken. Auch Bernd Brügge sieht hier Probleme: „Leider werden wir uns in Zukunft wohl auch mit gerichtlichen Auseinandersetzungen beschäftigen müssen.“ Ein Themenfeld, auf das man beim BSH gerne verzichten würde.

Um künftig starke Schwankungen beim Ausbau der Offshore-Windenergie mit Phasen des Stopps und Rekordjahren wie 2015 zu vermeiden, muss zudem der Offshore-Netzentwicklungsplan (O-NEP) 2025 den Offshore-Windenergie-Ausbau frühzeitig und ausreichend berücksichtigen. Die Eckpunkte des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie für das EEG 2016 nennen ein Ausbau-Zwischenziel von 11.000 Megawatt im Jahr 2025. Das würde einen jährlichen Zubau von knapp 700 Megawatt bedeuten. Jedoch erst ein kontinuierliches jährliches Ausbauvolumen von mindestens 900 Megawatt ab 2021 würde die Grundlage dafür bilden, die Kosten der Offshore-Windenergie zu senken, Wertschöpfung und Industrieproduktion in Deutschland zu sichern und langfristig einen wirkungsvollen Beitrag zur Versorgungssicherheit zu leisten, lautet die einhellige Branchenmeinung.

Trianel-Windpark Borkum (Foto: Trianel)

Der Rekord von 2015 zeigt bereits jetzt, dass es zukünftig Probleme mit dem Offshore-Deckel geben wird, denn die Offshore-Windenergie hat schon jetzt rund 50 Prozent des Ausbauziels von 6.500 MW für 2020 erreicht. Damit sich Behörden, Verbände und die Offshore-Industrie auch in Zukunft auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können, ist eine weitere Veränderung des EEG also auf Dauer unvermeidbar.

Autor:
Katrin Radtke
Email:
kr@windmesse.de
Windenergie Wiki:
Windpark, Versorgungssicherheit, Turbine, Offshore, MW, Megawatt, BWE



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