2019-12-10
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Kommentar: Wie ein Orkan zum Sturm im Wasserglas verkommt

Der Jahreswechsel wird traditionell dazu genutzt, Bilanz zu ziehen: Was lief gut, was schlecht, was kann man zukünftig verbessern? Diese Statistiken und Bilanzen werden meist als nackte Zahlen veröffentlicht, um die Bevölkerung zu informieren. Wie sie einzuordnen sind, wird dabei den Medien und Fachleuten überlassen. Dass es dabei zu signifikanten Unterschieden in der Interpretation kommen kann, wurde in diesen Tagen ganz besonders am Beispiel der Windenergie deutlich.

Während sich die Fachmedien aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien und hier speziell der Windenergie darüber einig sind, dass 2015 erneut ein Rekordjahr war, wird von den allgemeinen Medien ein ganz anderes Bild gezeichnet.

So setzte die dpa eine Meldung ab, in der 2015 zum Flautenjahr für die Windenergie erklärt wurde – und der Rest der Presse übernahm die Zahlen, die ursprünglich vom BEE veröffentlicht wurden, ohne weitere Nachfrage. Beispiel Focus: „In den ersten drei Quartalen kamen 675 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1821 Megawatt hinzu, wie aus Angaben des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) hervorgeht. Der Zubau sei mit voraussichtlich 3600 Megawatt im Gesamtjahr 2015 weit unter dem Niveau des Vorjahres geblieben, als es 4750 Megawatt waren.“

Bei näherem Hinsehen sollte aber auffallen, dass in der Meldung zunächst nur von den ersten drei Quartalen des Jahres die Rede ist. Die Zahl für das Gesamtjahr wird nur geschätzt. Des Weiteren gilt es zu beachten, dass 2014 als besonderes Rekordjahr einzuordnen ist, da aufgrund der (damals noch ausstehenden) EEG-Reform viele Windparkplaner ihre Anlagen unbedingt noch vor Jahreswechsel aufstellen mußten. Ohnehin geht es in der Aussage nur um den Zubau von Anlagen. Wie viel Windstrom von den Anlagen produziert wurde, wird nicht erwähnt.

Wirft man dagegen einen Blick auf die folgenden Zahlen – die letztlich Auskunft über den tatsächlichen Erfolg der Energiewende geben – sieht das Bild komplett anders aus: 85,4 Milliarden Kilowattstunden Strom wurden von den deutschen Windkraftanlagen im Jahr 2015 produziert, was einer Leistungssteigerung von 66% gegenüber dem Vorjahr entspricht, wie der Stromreport basierend auf Zahlen des Fraunhofer Instituts berichtet.

Grafik: Strom-Report

Am 21. Dezember zog zudem das Sturmtief „Bjarni“ über Deutschland hinweg und sorgte für einen weiteren Rekord: 32,6 Mio. kWh (!) - soviel Windstrom wurde in Deutschland zuvor noch nie an einem einzigen Tag erzeugt. Das sorgte dafür, dass der Monat Dezember 2015 mit 12,7 Mrd. kWh erzeugter Energie nicht nur der ertragreichste Monat aller Zeiten war, nein, Wind wurde auch zur wichtigsten Energiequelle im Gesamt-Strommix und überholte erstmals die Braunkohle [11,1 Mrd. Kwh]. Als Randnotiz: Bisheriger Spitzenmonat war der November 2015.

Das führt insgesamt dazu, dass die erneuerbaren Energien 2015 ihren Anteil am deutschen Strommix von 27,4 auf 32,5 Prozent steigern konnten. Wie das manager-magazin passend ergänzte, ist das Ziel der Bundesregierung für 2020 damit bereits „zum Greifen nah: Dann soll der Ökostrom-Anteil bei 35 Prozent liegen.“

Allerdings kommt diese Art der positiven Berichterstattung offenbar nicht überall gut an, denn es dominieren weiterhin Berichte über die teure Energiewende, die steigende EEG-Zulage und drohende Blackouts bei Abschaltung von Atomkraftwerken die Medien. Kein Wunder, wenn man an den Einfluss der Lobbyisten aus der fossilen Energiegewinnungsbranche denkt, die seit Jahrzehnten ihren Einfluss geltend machen. Allzu oft wird selbst heutzutage in den Medien noch die Energiegewinnung mit Erneuerbaren als eine Randnotiz von grünen Spinnern abgestempelt, deren Erfolge nur vorübergehender und auf dem Rücken der armen Verbraucher teuer erkaufter Natur sind.

Damit stellen sich jedoch viele Journalisten selbst in Abseits, was gerade heute in Zeiten von "Lügenpresse" schreienden Volksmassen ein fataler Fehler ist. Nur durch Aufklärung basierend auf  Fakten und nicht durch Nachplappern der Vorgaben von Lobbyisten und Großkonzernen können die Medien ihrer Aufgabe als 'vierter Gewalt' im Staat gerecht werden. Und Windenergie ist schon lange viel mehr als ein Sturm im Wasserglas!

Und sie bewegen sich doch... (Foto: kr)

Autor:
Katrin Radtke
Email:
kr@windmesse.de
Windenergie Wiki:
Megawatt, Energiewende



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