2021-08-02
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Olaf Preuß: Kraftwerk Küste – Wie der Wind den Norden stark macht

Letzte Woche wurde in Hamburg ein neues Buch vorgestellt, dass sich dem Thema der deutschen Energiewende annimmt.

Der renommierte Wirtschaftsjournalist Olaf Preuß (u.a. Spiegel, Financial Times Deutschland, heute Wirtschaftsredakteur des Hamburger Abendblatts) veröffentlichte im Wachholtz-Verlag sein neuestes Buch 'Kraftwerk Küste – Wie der Wind den Norden stark macht'.

Darin zeigt er auf knapp 180 Seiten, wieso die norddeutschen Bundesländer in der Pflicht sind, über ihre Differenzen hinweg zusammen zu arbeiten und für die Fortführung der Energiewende in Deutschland zu kämpfen. Denn gerade der Norden hat bereits stark vom Ausbau der Windenergie profitiert und ist auf dem besten Weg, weltweit eine der führenden Regionen dieser Technologie zu werden.

Im Rahmen der Buchvorstellung standen Olaf Preuß sowie Prof. Dr. Claudia Kemfert (Energieökonomin), Autorin des Vorworts und selbst ebenfalls seit vielen Jahren im Kampf für die Energiewende engagiert, für ein Pressegespräch zur Verfügung. Es folgen einige Auszüge aus der Diskussion mit den Teilnehmern.

 

Eine zentrale Aussage des Buches lautet „Das Geld der Küste ist der Wind.“ Wieso?

Olaf Preuß: Der Wind an sich war für den Norden schon immer prägend, auch früher durch die Schifffahrt und die Windmühlen. Daher sind auch die Bürger im Norden insgesamt sehr windkraftaffin. Der Süden möchte nun zwar auch Windstrom, aber dort sind die Vorbehalte sehr viel größer. Trotzdem gab es erste Anfänge der Windenergie auch im Süden, aber mittlerweile bedeuten die dort eingeleiteten politischen Maßnahmen das faktische Aus. Es ist daher völlig unklar, wie es insgesamt weitergehen wird.

Wo liegen die Vorteile einer klugen Energiewende?

Claudia Kemfert: Die Kosten gehen runter, die Zahl der Arbeitsplätze in dieser Branche steigt. Innovationen werden gefördert, was uns unabhängiger von Importen aus dem Ausland macht. Bei der Windenergie handelt es sich noch immer um Zukunftstechnologie. Der gerade aufkommende Wettbewerb mit den USA und China ist daher förderlich, denn er wird der Branche einen weiteren Schub geben.

Kann man im Falle der Windenergie von einer Erfolgsgeschichte sprechen?

Preuß: Ja, das kann man. Wenn man den Growian mit heutigen Anlagen vergleicht, sieht man den Unterschied: Heutige Windräder sind Hightech-Anlagen.

Deutschland hat in den vergangenen Jahren viele Industriezweige verloren, z.B. die Elektronikindustrie. Offshore-Windenergie ist dagegen noch eine relativ neue Industrie, die hier daher unbedingt ein Thema sein sollte. Die fehlende Kontinuität in der Politik stellt da aber momentan das größte Problem dar. Und es gibt sicherlich auch Rückschläge, aber bisher ist noch keine neue Industrie ohne Rückschläge aufgebaut worden – wenn man zum Beispiel an den Bau der Eisenbahn oder die Automobilindustrie denkt, als diese noch in den Kinderschuhen steckten.

Was plant Sigmar Gabriel als neuer Bundesminister für Energie und Wirtschaft?

Preuß: Ich glaube, er will den Markt verbessern. Aber er moderiert ein Gesamtsystem. Daher ist eine Kostenreduzierung der Technologien dringend notwendig. Man muss sich auch vor Augen führen, dass es ohne Fukushima keine Energiewende in Deutschland mehr geben würde, denn 2009 haben es RWE, E.on und die andere Versorger geschafft, diese Wende zu kippen.

Wenn wir es aber tatsächlich schaffen, aus den erneuerbaren Energien die Grundlastversorgung sicherzustellen, dann ist die alte Form der Energiegewinnung tot. Das erleben wir gerade, dagegen wehren sich natürlich die Unternehmen wie RWE und Co.

Warum arbeitet der Norden nicht enger zusammen?

Preuß: Die Interessen sind konträr. Dabei sind einige Regionen des Nordens, vor allem in Nordwest-Niedersachsen und in Mecklenburg-Vorpommern, heutzutage so etwas wie ein neues Armenhaus Deutschlands. Das war Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg aber auch: Bayern war ein Agrarland, das sich erst durch die geschickte Poltik von Franz-Josef Strauß zu dem Technologieland entwickelt hat, was wir heute haben.

Wir erleben aber gerade eine Zeitenwende der Energiegewinnung in Deutschland – weg von den traditionellen Produzenten Nordrhein-Westfalen und Lausitzer Region (Kohle) und Bayern (Atom), hin zu Nordeutschland. NRW arrangiert sich scheinbar eher damit, dort sitzen auch viele Zulieferfirmen der Windenergie. Bayern möchte dagegen nicht akzeptieren, dass sie nach Abschaltung der AKW Strom aus anderen Bundesländern importieren müssen. Sie würden lieber eigene Gaskraftwerke bauen.

Kemfert: Die Branche der erneuerbaren Energien im Norden wirkt immer extrem depressiv. Man gewinnt den Eindruck, es traut sich niemand über die Erfolge zu sprechen. Stattdessen entschuldigt man sich fast noch für die Subventionen, die zu Beginn in die Branche geflossen sind. Hier muss mehr Selbstbewusstsein entstehen!

Preuß: Es muss nur eine norddeutsche Kleinstadt den ersten Schritt wagen zu sagen: „Ja, wir versorgen uns völlig autark mit Windstrom“, was durchaus möglich sein wird. Das Medienecho wäre riesig, das wäre wie die Einführung des iPhones vor ein paar Jahren.

Wie groß ist die Gefahr, dass die Energiewende wieder abgewürgt wird?

Kemfert: Das Risiko im Moment ist riesengroß. Man merkt es schon bei einigen Firmen, die bereits Kurzarbeit angemeldet haben, weil die Folgeaufträge fehlen. Die Energiewende ist kein Selbstläufer, sie braucht Signale aus der Bundespolitik. Signale, die deutlich sagen: In den nächsten sieben bis acht Jahren lassen sich die Kosten um bis zu 40 Prozent senken. Die Energiewende in Deutschland leidet momentan am Tagesgeschäft der Politik.

Welche Rolle kann Hamburg in Person von Olaf Scholz in der Diskussion um die Reform des EEG spielen? Hamburg ist als Windproduzent zwar zu vernachlässigen, aber als Sitz vieler Unternehmen der Branche so etwas wie der Verwaltungshauptsitz der Windenergie. (Anmerkung: Zeitgleich zur Buchvorstellung fand im Hamburger Rathaus das Treffen zwischen Sigmar Gabriel und den Repräsentanten der norddeutschen Bundesländer zum Thema Energiewende statt.)

Preuß: Scholz hat eine wichtige Stimme in der Bundespolitik, da er als ehemaliger Arbeitsminister über hervorragende Kontakte verfügt. Seine Stimme hat auch auf Bundesebene Gewicht, daher ist er extrem wichtig, wenn es darum geht, die Befürworter der Windenergie an einen Tisch zu holen.

 

Bilder:

  • Olaf Preuß: Copyright Wachholtz-Verlag
  • Kraftwerk Küste: Copyright Wachholtz-Verlag
  • Claudia Kemfert: Copyright Roland Horn
Quelle:
Katrin Radtke
Email:
presse@windmesse.de
Windenergie Wiki:
Offshore, Hamburg, Growian, Energiewende



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