2022-07-01
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Frankreich vor der Entscheidung

Am kommenden Sonntag findet in Frankreich die Stichwahl zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen um die französische Präsidentschaft statt. Nicht nur in ihrer Haltung gegenüber Europa unterscheiden sich die beiden deutlich, auch für die französische Energiewende wird es eine Richtungswahl.

Bild: PixabayBild: Pixabay

Die politischen Positionen der beiden Kandidat*innen im Kampf um die französische Präsidentschaft könnten nicht unterschiedlicher sein. Während Amtsinhaber Emmanuel Macron in vielen Punkten seine Linie weiterführen möchte, will Marine Le Pen von der rechtsextremen Partei Rassemblement National (RN) im Fall eines Wahlsieges Frankreich radikal umbauen. Nicht nur die Position Frankreichs – zweitstärkste Wirtschaftskraft Europas – gegenüber der Europäischen Union würde sich dann verändern, auch die Auswirkungen auf die französische Energiewende wären enorm.

Dabei setzten beide Kandidat*innen in ihren Programmen auch weiterhin auf die in Frankreich traditionell stark vertretene Atomkraft. Obwohl Macron schon im Februar ankündigte, den staatlichen Energieversorger EDF mindestens sechs weitere Reaktoren bauen und betreiben zu lassen und die Lebensdauer älterer Kernkraftwerke auf mehr als 50 Jahre zu verlängern, setzt er trotzdem auch auf die erneuerbaren Energien.

Im Fokus steht neben einer Beschleunigung des Ausbaus auch eine Erhöhung der Kapazitäten: So soll die Solarkapazität bis 2050 auf über 100 GW verzehnfacht werden, während die Offshore-Windkraft bis zu diesem Jahr auf 40 GW ausgebaut werden soll.

Während die Onshore-Windkraft schon bei Macron keine große Rolle spielt, würde sie mit Marine Le Pen komplett verschwinden. Sie plant, bestehende Onshore-Windparks abzubauen und Subventionen für Solar- und Windenergie zu streichen. So soll der Fiskus 5 Milliarden Euro einsparen. Stattdessen setzt sie auf Kernenergie – und zwar fast ausschließlich: Ganze 20 EPR-Reaktoren sollen gebaut werden, die Laufzeit bestehender Anlagen von über 40 auf 60 Jahre verlängert und das 2020 abgeschaltete Kraftwerk Fessenheim wieder in Betrieb genommen werden, wie Reuters herausstellt.

Ein Bild, das es so bei Marine Le Pen nicht geben würde: Windkraftanlagen und Atomkraftwerke nebeneinander (Bild: Pixabay)

Ein „völliger Irrweg“, betonte dagegen Macron bei einer Wahlkampfveranstaltung in Le Havre in der vergangenen Woche. „Wir wären das einzige Land der Welt, das das tut“, so Macron gegenüber dem Radiosender France Bleu. Le Pens Plan würde bedeuten, "Hunderte von Millionen Euro für den Abbau bestehender Windkraftanlagen auszugeben".

Der französische Verband für Erneuerbare Energien (SER) warnt die französischen Wähler*innen davor, Le Pen zum Wahlsieg zu verhelfen: „Die nächsten fünf Jahre werden entscheidend sein, sowohl für den Planeten als auch für unser Land.“ Das Programm von Le Pen „würde einen großen Rückschritt für unser Land und das Klima bedeuten, da unsere Treibhausgasemissionen und unsere Importe fossiler Brennstoffe auf Kosten der Steuerzahler und der ärmsten Verbraucher wieder ansteigen würden. Dies führt zur Vernichtung von Arbeitsplätzen und zum Bankrott von Unternehmen, die im Bereich der Energiewende tätig sind. In einer Zeit, in der unsere Nachbarn den Ausbau forcieren, würde sich Frankreich isolieren, während Europa auf Frankreich zählt, in einem Bemühen um kollektive und multilaterale Verantwortung.“

Auch Marc-Antoine Eyl-Mazzega, Leiter des Zentrums für Energie und Klima am Institut Francais des Relations Internationales, warnt vor einem Wahlsieg Le Pens. Ihre Pläne würden das Land im Laufe der Zeit immer mehr einer Energieknappheit aussetzen: „Das mag diejenigen erfreuen, die den Anblick von Windkraftanlagen nicht mögen", so Eyl-Mazzega gegenüber msn. "Die Stromversorgungssituation würde sich aber verschlechtern, und Investoren werden Frankreich meiden.“

Gerade angesichts des Kriegs in der Ukraine eine gefährliche Situation, zumal die Energiepreise weiter steigen und gerade die Geringverdiener vor große Herausforderungen stellen. „Die wirtschafts- und energiepolitischen Vorschläge sind realitätsfremd“, betont daher auch Michel Gioria, Generaldelegierter von France Energie Eolienne, dem Windkraftverband Frankreichs. „Sie wird Frankreich in eine schwierige Situation in Bezug auf die Energieversorgung stürzen, was die Preise hoch halten wird.“ Zumal die von Le Pen versprochenen Atomkraftwerke nicht vor 2035-2040 in Betrieb genommen werden könnten (Ausnahme: Kernkraftwerk Flamanville), weil Genehmigung und Bau zeitintensiv sind. Wertvolle Jahre würden verstreichen, ohne dass die Energiewende in Frankreich voran kommt. Zeit, die die Erde nicht mehr hat.

Bleibt zu hoffen, dass die französischen Wähler*innen am Sonntag auf den richtigen Kandidaten setzen.

Autor:
Katrin Radtke
Email:
presse@windmesse.de
Keywords:
Frankreich, Wahl, Stichwahl, Präsidentschaft, Energiewende, Ausbau, Kernkraft, Atomkraft, erneuerbare Energie, offshore, onshore, Marine Le Pen, Emmanuel Macron, Verband
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