2024-04-19
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Windkraft in Island? Noch schwierig!

100 Prozent erneuerbare Energien in Europa sind nicht möglich? Doch – und Island zeigt, wie es geht. Die dünn besiedelte Insel knapp unter dem Polarkreis bezieht ihre Energie vollständig aus Wasserkraft und Geothermie. Nun werden aber Stimmen lauter, die die Nutzung einer weiteren Energiequelle fordern: der Windenergie.

Neben spektakulären Landschaften hat Island auch erneuerbare Energiequellen im Überfluss zu bieten (Bild: Pixabay)Neben spektakulären Landschaften hat Island auch erneuerbare Energiequellen im Überfluss zu bieten (Bild: Pixabay)

Island macht das, wovon in Zeiten des Klimawandels alle träumen: Den Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen beziehen. Knapp 70 Prozent der Energie werden durch Wasserkraft gedeckt, weitere 30 Prozent durch Geothermie. Auch bei der Gebäudewärme ist das Land ein Vorbild: 90 Prozent der Energie hierfür stammen aus Geothermie. Auffällig: Der mit knapp 80 Prozent größte Teil des Stroms wird von der Industrie verbraucht, nur knapp 20 Prozent entfallen auf die Einwohner*innen. Allein die vier Aluminiumhütten des Landes, die den Löwenanteil verbrauchen, verfügen jeweils über ein eigenes Wasserkraftwerk.

Trotz dieser beachtlichen Zahlen hat die Gesellschaft des Landes einen hohen CO2-Fußabdruck. Das hängt laut Jeremy Firestone, Professor an der University of Delaware, damit zusammen, dass es einige große Emissionsproduzenten im Land gibt: die kommerzielle Fischerei, der internationale Luftverkehr, der den Flughafen Reykjavik als Zwischenstopp nutzt, die stromunabhängigen Komponenten des Aluminiumherstellungsprozesses und der starke Tourismus, der bei einer Bevölkerung von etwa 387.000 Einwohner*innen mehr als zwei Millionen Besucher pro Jahr verzeichnet.

Firestone reiste im Januar und im März diesen Jahres aus den USA nach Island, um an der dortigen Universität einen Kurs über Windenergie zu halten und mit Kolleg*innen über die Standortpolitik für Windenergieanlagen zu diskutieren. Denn bislang ist Island ein blinder Fleck auf der Windenergiekarte, lediglich zwei Turbinen generieren bisher Windstrom auf der Insel, die eigentlich über hervorragende Ressourcen verfügt. Firestone erklärt, weshalb sich in Island bislang nicht viel um Windkraft gekümmert wurde: „Das liegt zum Teil daran, dass Island über reichlich Wasser- und Erdwärme-Ressourcen verfügt. Der gesamte Strombedarf des Landes ist im Grunde genommen gedeckt.“

Windenergie spielt in Island bislang keine Rolle. Hier der Vergleich zu den anderen skandinavischen Ländern, in denen momentan einer Boom auf Windenergie herrscht. (Quelle: Innovation Origins)

Trotzdem wird in den letzten Jahren vermehrt darüber diskutiert, die Vorteile der Windkraft auch in Island zu nutzen. So sollen unter anderem künftig Elektrofahrzeuge mit Windstrom betrieben werden. Ein Problem dabei ist das veraltete Stromnetz des Landes, das derzeit nicht in der Lage ist, große Strommengen zu transportieren. „Vielerorts werden in Island eher Mittelspannungsleitungen als Hochspannungsleitungen für die Stromübertragung genutzt. Dies schränkt die Möglichkeit ein, Strom, der durch Windturbinen erzeugt werden könnte, in Gebiete zu transportieren, in denen Strom benötigt wird“, so Firestone.

Ein weiteres Problem ist die Angst der Menschen vor Eingriffen in die Natur: Sowohl in Bezug auf Artenschutz als auch auf den wichtigen Tourismussektor bestehen Bedenken – und dass obwohl der Bau vieler der mit Wasserkraft und Geothermie betriebene Großkraftwerke hier bereits eingegriffen hat. Ein Beispiel für ein in diesem Zusammenhang umstrittenes Projekt ist der Bau des Wasserkraftwerks Karahnjukavirkjun im Osten Islands, dessen Strom vor allem für die Aluminiumhütte der Firma Alcoa Verwendung findet. Durch den Bau des 690 MW-Projekts im Jahr 2007 wurde ein Stausee mit einer Fläche von 57 km² geschaffen. Dadurch gingen große Naturflächen verloren, auf denen Rentiere ihren Winter verbrachten. Dagegen erscheint vielen Isländer*innen der Bau von Windkraftanlagen als das kleinere Übel. 

Auch die Offshore-Windkraft als Alternative zum Bau der Turbinen an Land ist nicht unumstritten. Bis auf einige Analysen der Eignung vor einigen Jahren hat die isländische Regierung bislang noch keine Schritte unternommen, um Offshore-Wind zu fördern, wahrscheinlich vor allem, um Konflikte mit der kommerziellen Fischerei zu umgehen. Außerdem dürfte auch hier der Artenschutz eine Rolle spielen, werden die Gewässer rund um die Insel doch von vielen Vögeln wie den Papageientauchern oder auch Meeresbewohnern wie Walen genutzt.

Allein die Diskussion darüber ist schon ein Fortschritt und zeigt, dass sich etwas bewegt. So wird auch die Aufstellung von Turbinen ganz im Süden der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Islands erwogen, etwa 200 Seemeilen von der Küste entfernt. Von dort aus könnte der Strom per Kabel nach Großbritannien weitergeleitet und in das europäische Stromnetz eingespeist werden. Das dürfte der isländischen Regierung ins Konzept passen, die nach eigenen Worten die internationale Industrie mit den niedrigsten Strompreisen Europas zu locken versucht. Angesichts der europäischen Pläne für ein Großkraftwerk Offshore in der Nordsee, die kürzlich auf einem Gipfel diskutiert wurden, wird es daher höchste Zeit für Island, aus seinem blinden Fleck einen bunten Punkt zu machen.

Autor:
Katrin Radtke
Email:
presse@windmesse.de
Keywords:
Island, Windkraft, erneuerbare Energie, Wasserkraft, Hydropower, Geothermie, Strom, Preis, Europa, Windpark, Artenschutz, Fischerei, offshore
Windenergie Wiki:
Turbine, MW



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