2022-07-07
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Hacker gegen die Energiewende

In den letzten Wochen mehren sich Cyberattacken gegen Unternehmen aus der deutschen Windbranche. Ein Zusammenhang mit Russlands Krieg gegen die Ukraine ist wahrscheinlich.

Alleine drei Unternehmen aus der deutschen Windbranche hat es innerhalb von zwei Monaten getroffen. Wohl kein Zufall... (Bild: Pixabay)Alleine drei Unternehmen aus der deutschen Windbranche hat es innerhalb von zwei Monaten getroffen. Wohl kein Zufall... (Bild: Pixabay)

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ist seit der russischen Invasion in die Ukraine ein vielbeschäftiger Mann. Kaum ein Tag vergeht, an dem er nicht unterwegs ist, um Deutschlands Abhängigkeit von russischen Rohstoffen zu verringern. So verkündete er erst Anfang der Woche, dass Deutschland mittlerweile statt 35 nur noch 12 Prozent seines Öls aus Russland bezieht. Eigentlich sollte damit bis spätestens Ende des Jahres komplett Schluss sein, nun könnte es jedoch schneller gehen, womoglich innerhalb von Tagen, wie Habeck bei seiner Polenreise diese Woche mitteilte. Auch bei den Gaslieferungen wird die Menge fast im Wochentakt kleiner, obwohl hier noch kein Ende abzusehen ist.

Dieses Vorgehen kommt bei Russland nicht gut an – denn das Land finanziert seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu einem Großteil aus den Erlösen seiner Rohstoffverkäufe. Anscheinend bläst Putin daher zum Gegenangriff und nimmt sich die deutsche Stromversorgung vor.

Allein seit Beginn des Krieges fanden mindestens drei großangelegte Cyberattacken auf deutsche Unternehmen aus der Windbranche statt. Zuerst erwischte es Enercon. Gingen die Expert*innen zunächst noch davon aus, dass es sich bei den Windkraftanlagen um eine Art von „Kollateralschaden“ handelte, die im Zuge eines Angriffs auf ein europäisches Satellitensystem betroffen waren, sieht das ganze mittlerweile nach gezielten Angriffen aus. Man möchte die deutsche Infrastruktur treffen, um die Abhängigkeiten von Rohstoffimporten aus Russland hoch zu halten.

Natürlich gibt es dafür keine offiziellen Beweise, doch das Fachmedium Computerwoche sieht beispielsweise einen Zusammenhang: „Zwar können die Angriffe (wie so oft) nicht zweifelsfrei mit Russland beziehungsweise der russischen Regierung in Verbindung gebracht werden, doch das Timing und der Einsatz der Conti-Ransomware nähren den Verdacht, dass kriminelle, pro-russische Hacker verstärkt Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien ins Visier nehmen, um den Ausstieg aus russischem Öl und Gas zu sabotieren.“

Nachdem Enercon Wochen brauchte, um alle Windkraftanlagen – die in der Zwischenzeit übrigens weiter fleißig Strom produzierten – wieder unter Kontrolle zu bekommen, erwischte es mit Nordex den nächsten deutschen Anlagenhersteller. „Am 31. März 2022 hat die IT-Sicherheit der Nordex Group bemerkt, dass das Unternehmen Ziel eines Cyber-Vorfalls ist. Die Störung wurde frühzeitig bemerkt und Gegenmaßnahmen wurden umgehend gemäß entsprechender Krisen-Protokolle eingeleitet. Rein vorsorglich sind dementsprechend die IT-Systeme mehrerer Geschäftsbereiche an verschiedenen Standorten abgeschaltet worden“, verkündete das Unternehmen am 2. April.

Alle Unternehmen sollten die Sicherheit ihrer IT-Systeme überprüfen, betont auch das US-Energieministerium (Bild: Pixabay)

Am 12. April wurde dann die Deutsche Windtechnik Opfer eines Cyberangriffs. „Auf IT-Ebene ist es gelungen, alle Systeme in gesicherter Umgebung zu prüfen und die Störungen zu identifizieren, einzugrenzen und zu isolieren. Die forensische Analyse ist beendet und hat im Ergebnis das Vorliegen eines zielgerichteten professionellen Cyber-Angriffs nachgewiesen“, gab das Bremer Unternehmen am 22. April bekannt.

Dessen Chef, Matthias Brandt, glaubt nicht, dass es bei diesen Angriffen bleiben wird. Gegenüber dem Wall Street Journal sagte er: „Wir brauchen hohe IT-Sicherheitsstandards, weil der wachsende Sektor der erneuerbaren Energien ein größeres Ziel für Hacker werden wird. Die Krise in Russland und der Ukraine zeigt uns, dass die erneuerbaren Energien in Zukunft Öl und Gas ersetzen werden.“

Damit würde Russland seiner wichtigsten Einnahmequelle beraubt. Cybersicherheitsexperten, die mit der Deutschen Windtechnik zusammenarbeiten, untersuchen derzeit zwar noch, ob bei dem Ransomware-Angriff Conti-Malware verwendet wurde, aber Chats von Conti-Ransomware-Benutzern, die letzten Monat im Internet aufgetaucht sind, enthüllten Verbindungen zu russischen Sicherheitsdiensten.

Und Deutschland ist nicht das einzige Land, das mit Angriffen zu rechnen hat. Putins öffentliche Ansage, „Vergeltung“ an Großbritannien zu üben, dessen Regierung die Ukraine besonders unterstützt, ist ein erster Hinweis darauf, dass auch britische Unternehmen bald in den Fokus solcher Attacken geraten können. Letztlich ist ganz Europa betroffen, denn fast alle Länder versuchen sich derzeit unabhängig von russischen Rohstoffen zu machen.

Auch die USA sind sich der Gefahr aus dem Netz bewusst: „Investitionen in modernste Cybersicherheitstechnologien halten uns an der Spitze der weltweiten Innovation und schützen das amerikanische Stromnetz angesichts der zunehmenden Cyberbedrohungen aus dem Ausland“, betonte daher US-Energieministerin Jennifer Granholm zu Beginn der Woche, als ihr Ministerium die Bereitstellung von 12 Millionen Dollar für Forschungen zur Verbesserung der IT-Sicherheit in Energiesystemen vergab. „Diese Finanzierung wird unser Engagement für eine sichere und widerstandsfähige Zukunft der sauberen Energie durch die Stärkung der amerikanischen Stromsysteme und den Aufbau eines stärkeren Netzes untermauern.“

Ein weiterer Schritt gegen Putins Kriegsmaschinerie.

Autor:
Katrin Radtke
Email:
presse@windmesse.de
Keywords:
Energiewende, Hacker, Cyberattacke, Nordex, Enercon, Deutsche Windtechnik, Russland, Ukraine, Öl, Gas, Rohstoffe, Geld, Krieg, Abhängigkeit, Europa, USA



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