2021-09-22
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AG Energiebilanzen: Energieverbrauch und Energiemix verändern sich durch Pandemie und Wetter

Kohlen legen kräftig zu / Erneuerbare holen Frühjahrsrückstand auf

Bild: PixabayBild: Pixabay

Der Energieverbrauch in Deutschland lag in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres deutlich über dem vergleichbaren Vorjahreswert. Nach vorläufien Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen) erhöhte sich der Verbrauch im 1. Halbjahr um 4,3 Prozent auf 6.191 Petajoule (PJ) beziehungsweise 211,2 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE). Nach drei Monaten hatte der Verbrauch noch leicht im Minus gelegen, teilte die AG Energiebilanzen weiter mit.

Für den Verbrauchsanstieg macht die AG Energiebilanzen vor allem die Lockerungen im Zuge der Covid-19-Pandemie und den Wiederanstieg der wirtschaftlichen Aktivitäten verantwortlich. Das im Vergleich zum Vorjahr deutlich geringere Windstromangebot führte zu Verschiebungen im Stromerzeugungsmix hin zu den konventionellen Energieträgern. Allerdings, so die AG Energiebilanzen, liegen die temperaturbereinigten Verbrauchswerte trotz des Anstiegs gegenüber dem Vorjahr noch um mehr als 7 Prozent unter dem Wert von 2019. Zusätzlich sorgte die gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich kühlere Witterung für einen Anstieg beim Verbrauch von Heizenergien. Unter Ausschaltung des Witterungseinflsses hätte sich der Energieverbrauch gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur um knapp 2 Prozent erhöht.

Der Verbrauch von Mineralöl verminderte sich im 1. Halbjahr des laufenden Jahres gegen den allgemeinen Verbrauchstrend insgesamt um 12,1 Prozent. Infolge des eingeschränkten Luftverkehrs sank der Absatz von Flugkraftstoff um knapp 20 Prozent. Beim Ottokraftstoff
betrug das Minus 2,6 Prozent und der Absatz von Dieselkraftstoff verminderte sich um 7,0 Prozent. Der Heizölabsatz hat sich im ersten Halbjahr nahezu halbiert, da die Verbraucher infolge der hohen Preise sich bisher nicht zur Aufstockung ihrer Bestände entschließen konnten. Der Anteil des Mineralöls am gesamten Energieverbrauch sank im Berichtszeitraum erstmals unter die Marke von 30 Prozent.

Der Erdgasverbrauch erhöhte sich dagegen um fast 16 Prozent. Hauptursache für diese Entwicklung war die gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich kühlere und zudem in den ersten drei Monaten des Jahres eher windarme Witterung, die zum Mehreinsatz von Erdgas zur Wärme- und Stromerzeugung führte. Ferner sorgten die konjunkturellen Aufholprozesse für Zuwächse beim Erdgasverbrauch.

Der Verbrauch an Steinkohle stieg im 1. Halbjahr 2021 um fast 23 Prozent. Beim Einsatz von Steinkohle zur Strom- und Wärmeerzeugung kam es als Folge der kühlen und der gegenüber dem Vorjahr windarmen Witterung zu einem Zuwachs um rund 31 Prozent. Der Einsatz von Koks und Kohle in der Stahlindustrie nahm ebenfalls deutlich zu und erhöhte sich um knapp 18 Prozent.

Der Verbrauch von Braunkohle erhöhte sich in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres um rund ein Drittel. Dieser Anstieg entspricht weitgehend der Entwicklung der Lieferungen an die Kraftwerke der allgemeinen Versorgung. Der Zuwachs ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die im Vorjahreszeitraum witterungsbedingt hohe Einspeisung von Strom aus Windanlagen in diesem Jahr deutlich niedriger lag. Im Vergleich zum 1. Halbjahr des Jahres 2019 weist der Verbrauch von Braunkohle im laufenden Jahr ein Minus von 12 Prozent auf und folgt damit dem mehrjährigen Trend.

Bei der Kernenergie kam es im 1. Halbjahr zu einem Anstieg der Stromproduktion um 7,0 Prozent.

Die erneuerbaren Energien verminderten ihren Beitrag zum Primärenergieverbrauch im 1. Halbjahr um insgesamt 1 Prozent und konnten damit am Anstieg des Gesamtverbrauchs nicht teilhaben, was zu einem Rückgang des Anteils am gesamten Energieverbrauch (Energiemix) auf 16,8 Prozent (Vorjahreszeitraum 17,7 Prozent) führte. Während die Wasserkraftwerke um 5 Prozent zulegen konnten, kam es bei der Windenergie zu einem Minus von 20 Prozent im Vergleich zum windstarken Vorjahr. Der Beitrag der Solarenergie blieb trotz des Anlagenzubaus stabil. Die Biomasse verzeichnete temperaturbedingt ein Plus von 6 Prozent.

Im 1. Halbjahr 2021 floss mehr Strom ins Ausland als umgekehrt nach Deutschland. In Summe ging der positive Stromaustauschsaldo zurück.

Die durch den Pandemieverlauf und die Witterungsverhältnisse veränderten Beiträge der einzelnen Energieträger sorgten für Verschiebungen im Energiemix. Erstmals konnte das Erdgas mit einem Anteil von 30,6 Prozent die Führungsposition übernehmen, das Mineralöl fil mit 28,6 Prozent auf Platz zwei. Die Anteile der Kohlen am Gesamtverbrauch erhöhten sich trotz kräftiger Verbrauchszuwächse gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur auf 8,2 Prozent bei der Steinkohle und auf 8,4 Prozent bei der Braunkohle. Die Erneuerbaren verloren zwar, belegen mit einem Anteil von 16,8 Prozent dennoch Platz drei im nationalen Energiemix. Der Ersatz von regenerativ erzeugtem Strom durch Strom aus fossilen Energiequellen führte im 1. Halbjahr nach Berechnungen der AG Energiebilanzen zu einem Anstieg der CO2-Emissionen um 6,3 Prozent.

Die AG Energiebilanzen weist darauf hin, dass es durch den weiteren Pandemieverlauf und seine Auswirkungen auf Wirtschaftstätigkeit  und Mobilität sowie durch den nicht prognostizierbaren Witterungsverlauf im weiteren Jahresverlauf zu deutlichen Verschiebungen bei Verbrauch und Zusammensetzung der Energieträger kommen kann.

Quelle:
Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e.V.
Autor:
Pressestelle
Link:
www.ag-energiebilanzen.de/...
Keywords:
AG Energiebilanzen, Kohle, Kernenergie, erneuerbare Energien, Wetter, Pandemie, Anstieg, Gas, fossil, Verbrauch, Strom




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