2018-09-22
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Blindleistung: Die Schaumkrone der Stromübertragung. TenneT liefert mit dem Bau der ersten hybriden Statcom-Anlage Deutschlands die wichtigen Zutaten

Im Drehstromnetz muss die Blindleistung in richtigen Verhältnis zur Wirkleistung stehen - wie im Bierkrug die Schaumkrone zum Bier / TenneT erweitert hierfür das traditionelle Umspannwerk Borken (Hessen) zu einer der modernsten Drehscheiben für Grünstrom im TenneT-Netz / Renaturierung der Schwalm auf einer Länge von 225 Meter verbessert Lebensraumqualität für Tier- und Pflanzenarten nahe des Umspannwerks

Bild: TenneTBild: TenneT

TenneT versorgt mit mehr als 23.000 Kilometern Stromleitungen rund 41 Millionen Endverbraucher indirekt mit Strom. Der Großteil des Netzes ist dabei als eng vermaschtes Drehstromnetz aufgebaut. Damit die Stromübertragung im Netz funktioniert, wird Blindleistung für den Spannungsaufbau benötigt. Zur Wirkleistung, die tatsächlich beim Verbraucher ankommt, sollte die Blindleistung stets im richtigen Verhältnis stehen, damit der Stromtransport nicht beeinträchtigt wird. Das heißt, ohne Blindleistung ist kein Stromtransport möglich, jedoch reduziert zu viel Blindleistung im Netz die Wirkleistung und kann sich entsprechend negativ auf die Stromübertragung auswirken. Auf das richtige Maß kommt es an. 

Vereinfacht dargestellt, ist Blindleistung die Schaumkrone eines Bieres und das Bier selbst die Wirkleistung. Wird ein Bier falsch eingeschenkt, kann sich zu viel Schaum bilden. Steht das Bier zu lange, wird der Schaum instabil, nimmt ab und die Qualität des Bieres leidet. Die Schaumkrone  sollte also stets im richtigen Verhältnis zum Bier sein. In der alten Energiewelt waren Kernkraftwerke und andere große Erzeuger, um im Bild zu bleiben, die Brauereien, die dafür sorgten, dass die Schaumkrone, also die Blindleistung, im richtigen Verhältnis zum restlichen Bier, also der Wirkleistung, geliefert wurde. Da alle Kernkraftwerke bis 2022 vom Netz gehen, wird TenneT nun zum Braumeister für Blindleistung, um seinem gesetzlichen Auftrag, rund um die Uhr ein sicheres Netz zu betreiben, auch in Zukunft erfüllen zu können. 

Hierfür baut das Bayreuther Unternehmen in der Mitte des deutschen Stromnetzes am traditionellen Umspannwerksstandort Borken in Hessen nun die erste hybride Statcom Anlage Deutschlands. Die hochmoderne Anlage wird ab Ende 2019 zur dynamischen Spannungsunterstützung und Blindleistungsbereitstellung auf der 380-kV-Ebene beitragen und damit einen wichtigen Beitrag zum sicheren Netzbetrieb nach Abschaltung der Kernkraftwerke leisten. Bereits 2008 und 2013 wurde am Standort je eine sogenannte MSCDN-Anlage zur Bereitstellung von statischer Blindleistung in Betrieb genommen. Die Gesamtanlage Borken wird damit zu einer der wichtigsten Drehscheiben für Grünstrom im Energiewende-Netz ausgebaut.  

Die Statcom Anlage in Borken wird in ihrer hybriden Bauweise über das TenneT-Netz hinaus die erste ihrer Art im gesamten deutschen Stromnetz. Der große Vorteil dieser Anlage ist ein, gemessen an ihrem Blindleistungsstellbereich, vergleichsweise geringer Flächenbedarf. Dadurch reduziert sich der Eingriff in das angrenzende Überschwemmungsgebiet der Schwalm. TenneT investiert am Standort Borken bis Ende 2019 rund 30 Millionen Euro. Davon fließt ein mittlerer sechsstelliger Betrag in die Renaturierung der Schwalm. Auf einer Länge von 225 Metern wird der Gewässerverlauf teilweise neu geschaffen, um die Lebensraumqualität für Tier- und Pflanzenarten zu verbessen und zu fördern. Die Maßnahme dient als Ausgleich für die Überschwemmungsflächen, die beim Umspannwerk zur Modernisierung benötigt werden. Ab dem  18.04.2018 werden die hierfür notwendigen Baggerarbeiten beginnen und letztlich ein Gesamtvolumen von etwa 6.500 m³ umfassen. Nach rund vier Wochen werden die Arbeiten für  diese Kompensationsmaßnahme abgeschlossen sein.  

Um die Blindleistung regeln zu können und in ausreichendem Maße für das gesamte Netz zur Verfügung zu stellen, hat TenneT bereits in zahlreichen seiner 129 Umspannwerke Kompensationsspulen und MSCDN-Anlagen installiert,. die zur statischen Blindleistungsbereitstellung beitragen. Darüber hinaus hat TenneT seit 2015 im Umspannwerk Bergrheinfeld West nahe Schweinfurt den damals ersten rotierenden Phasenschieber im deutschen Stromnetz in Betrieb genommen. Diese Anlage liefert einen Beitrag zur Kurzschlussleistung dieses Netzknotens - eine Aufgabe, die zuvor der Generator des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld erledigte. Neben dem Bau neuer Anlagen wie in Borken und Bergrheinfeld untersucht TenneT aber auch weitere Möglichkeiten, wie beispielsweise Windkraft- und Photovoltaikanlagen durch die Bereitstellung von Blindleistung zur System- und Versorgungssicherheit beitragen können. 

Quelle:
TenneT
Autor:
Pressestelle
Link:
www.tennet.eu/...
Keywords:
TenneT, Drehstrom, Blindleistung, Umspannwerk, Ausgleichsmaßnahme
Windenergie Wiki:
Versorgungssicherheit, Energiewende



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