2024-05-22
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Erdgasheizungsrechnungen werden absehbar immer teurer. Ökologische Heizungen sind auf dem Vormarsch

Newsletter von Hans-Josef Fell

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Liebe Leser*innen,

Mit dem Ausbruch des furchtbaren russischen Angriffskrieges auf die Ukraine sind die Erdgaspreise auf bis dahin unerreichte Spitzenwerte gestiegen. Im internationalen Handel kostete Erdgas bis zu 9 Dollar pro MMBtu im November 2022 verglichen mit 2-3 Dollar in den Jahren davor. Heute liegen die Preise wieder bei etwa 2 Dollar pro MMBtu.

Da die Rohstoffe im internationalen Handel die Grundlage für die Erdgaspreise der Heizungskunden bilden, sind die Heizkosten für Erdgasheizungen stark gegenüber dem Vorkriegszeitraum gestiegen. Es hat sich gezeigt, dass es ein fundamentaler Fehler war, unter den Regierungen Merkels immer stärker auf Erdgas, insbesondere aus Russland, zu setzen, anstatt den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu beschleunigen.

In den Jahren 2022 und 2023 kam es zu hektischen politischen Entscheidungen, insbesondere zur Einführung einer Energiepreisbremse mit direkten Subventionen für Kunden von Erdöl- und Erdgasheizungen.

Populisten sowie Rechts- und Linksaußen treiben Hausbesitzer zu hohen Heizkosten

Trotz der hohen Heizungskosten für Erdöl und Erdgas organisierte die fossile Lobby mit ihren Sprachrohren bei der Bildzeitung, sowie anderen Boulevardzeitungen und mit ihnen viele populistische PolitikerInnen (FDP, CDU, CSU, Freie Wähler) und Rechtsaußen PolitikerInnen wie die AFD, aber auch Linksaußen wie im Umfeld des BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) eine regelrechte Hetzkampagne gegen das Heizungsgesetz, welches eine Ablösung von klimaschädlichen und sehr teuren Erdgas- und Erdölheizungen durch Heizungen mit Erneuerbaren Energien fördern sollte. Solche sind insbesondere ökostrombetriebene Wärmepumpen, aber auch Pelletsheizungen, Solarkollektoren, wie auch hocheffiziente Stromflächenheizungen und Nah- wie Fernwärmesysteme betrieben mit Erneuerbaren Energien.

Die Hetze gegen das Heizungsgesetz und damit gegen klimaschützende Heizungen griff schnell. Der Absatz von Wärmepumpen fiel drastisch. Wärmepumpenhersteller müssen Kurzarbeit oder gar Entlassungen vornehmen. Eine fürsorgende Wirtschaftspolitik sieht wahrlich anders aus.

Gleichzeitig stieg der Neubau und die Modernisierungen mit Erdöl- und Erdgasheizungen in 2023 auf ein Rekordniveau.

Nun müssen die Erdgas- und Erdölheizungsbesitzer höhere Heizkosten zahlen als diejenigen mit ökologischen Heizungen

Personen, die nach wie vor nicht auf ökologische Modernisierung umgestiegen sind und alte Erdgas- und Erdölheizungen besitzen, sowie jene, die sich schnell noch für eine klimaschädliche Erdgas- und Erdölheizung entschieden haben, müssen nun deutlich höhere Heizkosten tragen im Vergleich zu denen, die klimaschützend heizen.

Die Hetzer gegen das Heizungsgesetz, wie Merz, Söder, Lindner, Aiwanger, die AFD oder Wagenknecht haben den Menschen einen großen Bärendienst erwiesen:

Die Heizkosten für eine 70 Quadratmeter Wohnung betrugen 2023 im Durchschnitt 1310 Euro für Erdgas, 1130 Euro für Erdöl, 1110 Euro für Fernwärme, 1105 Euro für Wärmepumpen und 870 Euro für Holzpellets.

Damit zeigt sich ganz klar: wer ökologisch heizt, heizt billiger.

Bis heute habe ich nichts gehört, dass sich die Gegner des Heizungsgesetzes bei der Bevölkerung entschuldigt hätten, weil sie durch die Fehlinformation, Erdgas- und Erdölheizungen seien günstiger, zu diesen hohen Heizkosten beigetragen haben. Dabei amortisieren sich die Investitionen in neue ökologische Heizungen über die kommenden Jahre durch niedrigere Heizkosten.

Insbesondere Erdgas wird in den nächsten Jahren richtig teuer werden

Der Haushaltkundenpreis für Erdgas setzt sich aus vielen Komponenten zusammen:

Beschaffung / Vertrieb, Netzentgelt inkl. Messung und Messstellenbetrieb, Mehrwertsteuer, Konzessionsabgabe, Erdgassteuer, CO2-Preis sowie Gasspeicherumlage.

Gleich hinter dem großen Posten Beschaffung (Erdgaspreise am Weltmarkt) und Vertrieb nehmen die Netzentgelte schon den zweiten Platz ein – und diese werden in den kommenden Jahren deutlich steigen.

Da immer mehr Kunden aus Gründen des Klimaschutzes und dem Streben nach günstigeren Heizkosten aus dem teuren Erdgas aussteigen werden, müssen die Erdgasnetzbetreiber die Erdgaspreise für die verbleibenden Erdgaskunden kontinuierlich erhöhen. Die Netzkosten bleiben konstant und müssen auf eine immer kleinere Kundenzahl umgelegt werden.

Es ist zu befürchten, dass Erdgasnetzbetreiber an den Punkt gelangen, an dem sie die Netze nicht mehr rentabel aufrechterhalten können, da immer weniger Erdgas durch die Leitungen fließt. Dann stehen sie vor der Entscheidung, entweder die Anschlüsse der Erdgaskunden zu kündigen oder in Konkurs zu gehen. Beides ist für die Besitzer von Erdgasheizungen keine erfreuliche Aussicht.

Die Bundesregierung hat nun eine Anhörung gestartet, um herauszufinden, wie der Ausstieg und die Abschaltung der Erdgasnetze sozialverträglich gestaltet werden können.

Das Umweltinstitut in München hat einen ausgezeichneten und lesenswerten Artikel zu diesem komplexen Thema veröffentlicht.

Wer das alles versteht, kann nun erkennen, warum es für den eigenen Geldbeutel ein großer Fehler war, und immer noch ist, persönlich in eine Erdgasheizung zu investieren. Es ist klar absehbar, dass die heute teuerste Art zu heizen – eben mit Erdgas und auch mit Erdöl – in den kommenden Jahren noch teurer werden wird.

Es sind nicht nur die Netzkosten, vor allem beim Erdgas, die steigen. Auch die Kosten für Förderung, Raffinierung und andere Aspekte werden weiter zunehmen.

Die weltweite Zunahme des Klimaschutzes wird ebenfalls dazu führen, dass die Heizrechnungen für Erdöl- und Erdgasnutzer stetig steigen werden, unter anderem durch einen wachsenden CO2-Preis.

Zunehmende Verbote, neue Fördergebiete in geschützten Naturräumen zu erschließen, werden für die fossile Wirtschaft mehr und mehr zu einem Problem, da gleichzeitig die Förderung aus alten großen Feldern immer weiter zurückgeht. Dadurch verursachte Verknappungen auf dem fossilen Rohstoffmarkt werden die Preise zusätzlich steigen lassen.

US-Ex-Präsident Trump verspricht der Erdöl- und Erdgaswirtschaft freie Hand, wenn sie ihm 1 Milliarde Dollar Wahlkampfspenden zukommen lässt

Unter US-Präsident Biden sind immer mehr fossile Energieförderungen in schützenswerten Naturräumen eingeschränkt oder gar verboten worden. Das Innenministerium hat beispielsweise kürzlich künftige Ölbohrungen auf einer Fläche von 13 Millionen Hektar in der Arktis Alaskas blockiert.

Doch dem ungebremsten Fördern und Nutzen von Erdöl- und Erdgas will Ex-Präsident und Klimawandelleugner Trump nach seiner Wiederwahl wieder alle Türen öffnen. Bei einem Treffen mit Führungskräften von Unternehmen für fossile Brennstoffe im April in Mar-A-Lago soll Trump vorgeschlagen haben, dass sie zusammenkommen und 1 Milliarde US-Dollar spenden sollten, um seine Wiederwahl zu erreichen. Nach seinem Amtsantritt soll Trump versprochen haben, im Gegenzug Dutzende von Präsident Bidens Umweltregeln und -richtlinien sofort rückgängig zu machen und die Verabschiedung neuer Regeln und Richtlinien zu verhindern.

Ein Angebot von offener Korruption und Dreistigkeit, das kaum zu überbieten ist.

Wenn Trump wieder an die Macht käme, wären alle mühsam erarbeiteten Klimaschutzerfolge der USA unter Biden Makulatur. Große Teile der Weltgemeinschaft würden immer schneller in Flutregen ertrinken, in Dürren verhungern, durch den steigenden Meeresspiegel zu Flüchtlingen werden oder in immer heißeren Hitzewellen sterben, als dies heute schon der Fall ist.

Das Festhalten an fossilen Heizungen heizt das Klima weiter auf und schafft immer mehr Katastrophen

Die Welttemperatur ist auf einem Rekordniveau von 1,5°C über dem vorindustriellen Niveau und verursacht bereits jetzt Katastrophen, wie sie in vielen Regionen noch nie erlebt wurden.

Aktuell sind viele Hunderte Menschen durch nie dagewesene Flutkatastrophen in Afghanistan und Südbrasilien ums Leben gekommen.

Die jahrelange Dürre in Ostafrika hat schon viele verhungern lassen.

Umsiedlungen wegen steigendem Meeresspiegel gibt es schon heute.

Hitzetote nehmen immer weiter zu. Besonders schlimm ist die ungewöhnliche Hitzewelle im April in Mali, bei der die Mittagshitze bis zu 44°C erreicht.

Ein malinesischer Freund antwortete mir kürzlich während der IRENA-Vollversammlung in Abu Dhabi auf meine Frage, was die Menschen in dieser Hitzehölle machen, erschreckend trostlos: „Viele sterben einfach.“

Das Beharren auf fossilen Heizungen und anderen fossilen Energiequellen unter Trump und allen, die daran festhalten, beschleunigt die bereits dramatischen Katastrophen weiter.

Es gibt viele Möglichkeiten des Umstiegs auf klimaschützende und kostengünstige Heizungen

Die Vielfalt der klimaschützenden Heizungsalternativen zu Erdöl- und Erdgas ist enorm. Im Fokus stehen ökostrombetriebene Wärmepumpen oder hocheffiziente elektrische Flächenheizungen, die besonders bei Altbausanierungen sinnvoll sind. Holzheizungen wie Pellets können einen wichtigen Beitrag liefern, vorausgesetzt sie sind optimal rauchgasgereinigt und der Brennstoff stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Besonders lukrativ sind Nahwärmesysteme, die von Energiegemeinschaften gegründet und betrieben werden. Biogasanlagen, Pflanzenöl-BHKW oder Holgasanlagen können im Winter Wärme und zusätzlich Strom liefern, insbesondere wenn die Sonneneinstrahlung schwach ist. Diese Nah- und Fernwärmesysteme sollten zunehmend durch Solarstrom oder Solarwärme aus dem Sommer über Langzeitwärmespeicher wie Erdwärmespeicher ergänzt werden, um Bioenergie wie Holz zu schonen.

Strom aus Wind- oder Solarparks, Biogasanlagen und Wasserkraft kann Wärmepumpen antreiben, die die Wärme aus saisonalen Wärmespeichern effizient nutzen können.

Sowohl große als auch kleine Wärmepumpen für Einfamilienhäuser sowie Nah- und Fernwärmenetze können zunehmend auf Geothermie aus oberflächennahen oder Tiefengeothermiequellen zugreifen.

Flusswärme mit großem Potential

Neu im Fokus steht die Nutzung von Flusswärme. Wärmetauscher, zum Beispiel in den Staubereichen von Wasserkraftanlagen, in Kombination mit Wasser- oder anderem Ökostrom betriebenen Großwärmepumpen, bergen ein enormes Potenzial. Erste realisierte Projekte in Rosenheim am Inn oder Mannheim am Rhein sind erfolgreich in Betrieb.

Eine aktuelle Studie der Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V. in München belegt ein herausragendes Wärmenutzungspotenzial für Bayern. Das Ergebnis der Studie besagt, dass mindestens die Hälfte der bayerischen Städte und Gemeinden Wärmepumpen an ihren Flüssen in ihre Wärmeplanung einbeziehen können. Um den Wärmebedarf der Haushalte und des Gewerbes von derzeit rund 150 TWh rein rechnerisch zu decken, müsste dem Wasser aus Flüssen erster und zweiter Ordnung lediglich 1,5 Grad Wärme entzogen werden. Mittels Wärmepumpen kann daraus Energie zum Heizen gewonnen werden, während die Gewässer durch das kühlere Wasser ökologisch profitieren würden.

All diese Alternativen werden in den kommenden Jahren immer bedeutender. Sie werden automatisch Erdgas- und Erdölheizungen verdrängen. Die Infrastrukturkosten, insbesondere für das Erdgasnetz, werden dann auf immer weniger Erdgaskunden umgelegt, was zu drastisch steigenden Heizkosten führen wird.

Nur wer diese Entwicklung jetzt erkennt und aktiv wird, indem er seine Erdgas- und Erdölheizung zugunsten Erneuerbarer Energien abschafft, wird auch in Zukunft niedrige und stabil bleibende Heizkosten haben.


Hammelburg, 14.05.24

Ihr Hans-Josef Fell
 

Quelle:
Hans-Josef Fell
Autor:
Hans-Josef Fell - Präsident der Energy Watch Group
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