2020-07-09
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Texas: Vom Öl- zum Windstaat

Texas galt über mehrere Jahrzehnte als DER Ölstaat schlechthin. Unser Bild des US-Bundesstaats wurde geprägt durch Zigarre rauchende, konservative Ölmagnaten mit Cowboyhut, die dabei zuschauten, wie die Dollars in Form von Öl aus dem Boden sprudelten. Heutzutage ist dieses Bild bestenfalls noch als Erinnerung an die TV-Serie 'Dallas' gültig, denn in den vergangenen Jahren hat sich Texas vom Ölstaat zum Vorreiter für erneuerbare Energien gewandelt.

Zwar fallen die zumeist republikanischen Politiker des Staates, unter anderem Präsidentschaftskandidat Ted Cruz, immer mal wieder mit reaktionären Äußerungen auf, aber das entspricht bei Weitem nicht mehr der Denkweise der texanischen Bevölkerung. Denn Texas ist weit grüner und sauberer, als man denkt.

Der große Fortschritt auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien ist eine Folge des Wettbewerbs auf dem Markt, der Liberalisierung des Strommarktes und eines großen Anstoßes von der Regierung aus Washington. So ersetzt Texas aktuell seine Kohlekraftwerke sehr viel schneller durch umweltfreundlichere Gaskraftwerke als der Rest der USA – und das ebenfalls viel früher, als es die aktuelle Gesetzeslage zum CO2-Ausstoß vorsieht.

Texas ist zudem der führende US Bundesstaat im Bereich der Windenergie. Allein im Jahr 2015 ist der Anteil der Windenergie im texanischen Stromnetz um 26 Prozent gestiegen. Ende des Jahres 2015 vermeldete die AWEA damit eine installierte Kapazität von 16.406 MW.

Karte des US Department of Energy

Experten prophezeien der Solarenergie, die bisher in Texas noch stark unterrepräsentiert ist, für das kommende Kalenderjahr ein Wachstum um das Sechsfache der bisherigen Installationsmengen. Bis 2030 wird sogar erwartet, dass es mehr Solarstrom als Strom aus Wind und Gas zusammen geben wird.

Texas ist bisher vor allem als sehr guter Windstandort aufgefallen. Die vielerorts weiten, offenen Ebenen sorgen für eine optimale Ausbeute, sodass auch immer mehr der großen US-Konzerne in Texas investieren. Unter anderem baut Facebook zur Zeit ein riesiges Datencenter in Fort Worth, das vollständig mit Windkraft laufen wird. Die Unternehmen Procter & Gamble sowie Mars beziehen ihre komplette Energieversorgung aus texanischem Windstrom.

Aber auch unterhalb der internationalen Multikonzerne tut sich viel im Land. Wie die amerikanische Environmental Protection Agency kürzlich bekannt gab, ist die Stadt Dallas der größte Verbraucher von erneuerbarem Strom unter allen US-Gemeindeverwaltungen. Bisher wurde dieser Titel von der ebenfalls texanischen Stadt Houston gehalten, die nun auf den zweiten Platz abgerutscht ist. Auf Platz 3 folgt der District of Columbia, zu dem die amerikanische Hauptstadt Washington zählt. Auf den Plätzen 4 und 5 folgen Montgomery in Maryland und Austin, Texas. Auffällig: Drei Plätze der Top 5 werden von texanischen Städten belegt (Windmesse berichtete). Und die nächsten Kandidaten stehen bereit: Georgetown, nördlich von Austin gelegen, wird demnächst ebenfalls die komplette Energieversorgung aus Erneuerbaren beziehen.

Die Begründung für diesen Boom ist zum einen in der steigenden Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien zu sehen. Die Preise für Wind- und Solarenergie sind in den letzten Jahren so sehr gefallen, dass sie mit fossiler Energie konkurrieren können. Der Preis für Solarenergie zum Beispiel ist seit 2009 über 80 Prozent gefallen. So machte Austin Energy letzten Sommer Werbung, mit einem Preis von 4 Cent pro Kilowattstunde (kWh) den „günstigsten Solarstrom überhaupt“ zu verkaufen.

Georgetowns Bürgermeister Dale Ross erklärte daher kürzlich in Time-Magazin den Schritt hin zu sauberer Energie wie folgt: „Nein, es haben keine Umweltschützer unseren Stadtrat übernommen, und wir versuchen auch nicht, eine Aussage über Fracking oder Klimawandel zu treffen. Unsere Entscheidung pro Wind und Solar ist vor allem eine der unternehmerischen Art und basiert allein auf den Kosten und der Preisstabilität.“

Auch der Blick über die eigenen Grenzen hinaus trägt dazu bei, dass sich immer mehr – vor allem junge – Menschen für Klimaschutz und saubere Energie interessieren. Vorbild ist dabei vor allem Europa, wo die Menschen bereits einige Jahre früher ihr Umweltbewusstsein entdeckt haben. Dem Willen der Verbraucher müssen sich auch die großen Konzerne beugen: „Es geht um den Ruf, und es ist für unsere Kunden und Mitarbeiter wichtig“, erklärt John Hall, beim Environmental Defense Fund in Austin für Fragen zur sauberen Energie zuständig, gegenüber den 'Dallas Morning News'. „Die Bürger wollen sehen, dass auch sie ihren Beitrag dazu leisten, um den 'Carbon Footprint' zu reduzieren.“

Und die Zukunft für Texas sieht ebenfalls grün aus: Die AWEA erwartet für das kommende Jahr weiterhin hohe Zubauraten in der Windenergie, die sich zunehmend zur günstigsten und schnellsten Alternative für fossile Kraftwerke entwickelt hat.

Autor:
Katrin Radtke
Email:
kr@windmesse.de



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