2020-01-19
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Kommentar: COP21 – Es ist Fünf vor Zwölf

Wieder steht Paris im Mittelpunkt des Weltinteresses. Dieses Mal erfreulicherweise nicht wegen eines Anschlags, sondern aufgrund des Klimagipfels COP21. Es geht dabei um nicht viel weniger als die Zukunft unserer Erde. Denn – wir haben schließlich nur eine.

Deshalb treffen sich zur Zeit mehr als 190 Delegationen in der Stadt an der Seine, um eine Vereinbarung auszuhandeln, wie dafür gesorgt werden kann, dass die Menschheit weiter existiert. Übertrieben? Nein, ganz und gar nicht, denn es ist bereits fünf (Sekunden) vor zwölf.

Umweltschutz ist schon lange nicht mehr nur etwas für alternative Linke und Menschen, die die Grünen wählen. Der Klimawandel betrifft uns alle und ist längst nicht mehr nur 'weit weg' in den Entwicklungsländern zu spüren – selbst in der westlichen Welt haben wir bereits deutlich mit den Auswirkungen zu kämpfen. Das haben mittlerweile auch immer mehr Menschen in einflussreichen Positionen erkannt und versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Ein Scheitern wie beim letzten Klimagipfel in Kopenhagen darf nicht noch einmal passieren.

Kernpunkt bei der Diskussion in Paris ist die möglichst verbindliche Festlegung auf das Zwei-Grad-Ziel: Die Weltgemeinschaft muss versuchen, die Durchschnittstemperatur der Erde in den kommenden 100 Jahren nicht mehr als zwei Grad über die Werte der vorindustriellen Zeit steigen zu lassen. Dieses Ziel ist bereits heute in akuter Gefahr und es ist fraglich, ob es überhaupt noch zu schaffen ist – bzw. ob dieses Ziel überhaupt noch ausreicht.

Um die Erderwärmung aufzuhalten, muss dringend weniger CO2 produziert werden. Längerfristige Folgen des Klimawandels sind Temperaturanstieg und eine Veränderung des pH-Werts im Wasser. Dies führt zu Dürren, Missernten und Nahrungs- sowie Wassermangel. Diese Entwicklung zieht Fluchtbewegungen nach sich, die derzeit schon spürbar sind.

CO2 hat aber bereits heute direkte Auswirkungen auf den Menschen: In Form von Smog und Feinstaub etwa ist es akut gesundheitsgefährdend und verursacht Atemprobleme, und Lungenkrankheiten bis hin zu Krebs. Gerade in China hat sich Smog in den letzten Jahren zu einem immer größer werdenden Problem entwickelt. Nicht ganz zufällig kursierten passend zum Beginn des Gipfels am Montag diverse Videos aus der chinesischen Hauptstadt Peking in den News, die erschreckend eindrucksvolle Bilder des Smog-Problems zeigen. Auch wenn die chinesische Regierung mittlerweile versucht, bei der Energieerzeugung von Kohle umzusteigen auf erneuerbare Energien - und Atomkraft - kommt dieser Sinneswandel für viele Menschen schon zu spät.

Immerhin gibt es in Paris zumindest einen Grundkonsens: Die G7-Staaten sind für ein Ende des industriellen CO2-Ausstoßes noch in diesem Jahrhundert. Problematisch ist dagegen noch immer die Position von Russland und China oder der großer Schwellenländer wie Indien oder Brasilien. Aber auch Ölproduzenten wie Saudi-Arabien stehen bei den Verhandlungen in Paris im Fokus und fordern ihr Recht. Die Frage nach dem langfristigen Ziel entscheidet nun darüber, wann die CO2-Emissionen anfangen müssen zu sinken.

Ein weiterer Knackpunkt des Gipfels ist die Forderung der ärmeren Staaten, für die bereits jetzt spürbaren Folgen des Klimawandels entschädigt zu werden. Denn die Argumentation, dass in erster Linie die Industriestaaten für den Klimawandel verantwortlich sind, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Industrieländer haben vor kurzem dafür Verantwortung übernommen und ab 2020 100 Milliarden US-Dollar jährlich an Hilfe zugesagt. Ob das ausreicht ist aber fraglich.

Offen ist auch weiterhin noch, wer die Kontrollinstanz für die Einhaltung der Ziele sein wird. Was ohne regelmäßige und vor allem unabhängige Kontrolle passiert, sieht man aktuell gerade bei VW, wo Tricksen und Betrügen offenbar zum guten Ton gehört. Dass es auch hier ausgerechnet um die Umweltverträglichkeit von Autos geht, ist sicher kein Zufall.

Um den Druck zu erhöhen und neben den Politikern auch der Bevölkerung klar zu machen, dass Umweltschutz eine gute Sache ist, gehen immer mehr Unternehmen mit gutem Beispiel voran. Bill Gates (Microsoft) hat für seine neue Initiative selbst 2 Milliarden Dollar (!) locker gemacht und 28 weitere Milliardäre zum Mitmachen überredet, darunter u.a. Facebook-Chef Mark Zuckerberg, Alibaba-Gründer Jack Ma, Virgingründer Richard Branson und Amazon-Chef Jeff Bezos. Flankiert wird die Initiative von den Regierungen von Australien, Brasilien, Kanada, Chile, China, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Mexiko, Norwegen, Südkorea, Saudi-Arabien, Schweden, Großbritannien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA. Eine illustre Runde, die sich zusammen getan hat, um ein Zeichen setzen und in Zukunft mehr auf die Umwelt zu achten, Forschung zu betreiben und Innovationen anzustoßen, kurzum: Die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Das ist sicher alle Achtung wert, aber letztlich muss man abwarten, ob sich die anwesenden Vertreter tatsächlich auf ein verbindliches (!) Papier einigen, das am 11. Dezember fertig sein soll. Zu wünschen wäre es uns allen!

Autor:
Katrin Radtke
Email:
kr@windmesse.de



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