2021-10-19
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Mathematik gegen Vogelsterben

Oder: Wie die Amerikaner versuchen, die Zahlen der getöteten Adler durch Windkraftanlagen zu reduzieren.

Weißkopfseeadler (By Yathin S Krishnappa (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons)Weißkopfseeadler (By Yathin S Krishnappa (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons)

Die Amerikaner haben Angst um ihr Wappentier: Den Weißkopfseeadler, im Englischen 'Bald Eagle'. Der majestätische Vogel hat es zwar dank intensiver Schutzbemühungen im Jahr 2007 wieder von der Liste der gefährdeten Tierarten herunter geschafft, allerdings wird nun durch die vielen Windparks in den USA neue Gefahr befürchtet. Aus diesem Grund arbeitet man seit einiger Zeit an Mechanismen, die Zahl der durch Windturbinen getöteten Vögel zu reduzieren.

Zuletzt machte ein mathematisches Modell auf sich aufmerksam, das anhand verschiedener Daten des Windparks in der Lage sein soll, vorherzusagen, wie viele Tiere den Turbinen zum Opfer fallen könnten. Anhand der Zahlen kann zukünftig bereits im Vorfeld der Planungen festgestellt werden, ob an dieser Stelle überhaupt ein Windpark gebaut werden darf, beziehungsweise welche Betriebsregularien ihm zum Vogelschutz auferlegt würden.

Das Modell wurde von Forschern des United States Fish and Wildlife Service entwickelt und soll dafür sorgen, dass das Gesetz zum Schutz des Weißkopfseeadlers und des Steinadlers (Bald and Golden Eagle Protection Act), das in den USA bereits seit 1940 existiert, auch in Bezug auf Windparks zur Anwendung kommt.

Bisher sind allerdings erst zwei US-Firmen dazu verpflichtet worden, wegen zu vieler toter Vögel Strafen zu zahlen. Das so eingenommene Geld fließt unterdessen direkt zurück in Schutzmaßnahmen für die Tiere.

„Wenn sie einen Blick auf die Anforderungen und Prognosen werfen, sagt das Bauchgefühl den Beteiligten oftmals: 'Das ist aber viel Geld im Voraus!'“, sagt Leslie New, Assistenzprofessor an der Washington State University in Vancouver und Mitentwickler des Modells, gegenüber dem Pacific Standard. „Aber wir wollen nicht, dass die Adler wieder auf der Liste bedrohter Arten landen. Das würde den Betreiber nämlich letztlich viel mehr Geld kosten“ als das Einhalten der Regeln im Vorfeld.

Das Problem an der Sache: Das Modell ist auf Daten angewiesen, die von den Betreibern stammen. Außerdem hat die Behörde bei Weitem nicht genügend Mitarbeiter, um die Einhaltung sämtlicher Regeln zu kontrollieren. Aus diesem Grund befürchten Vogelschützer, dass die Selbstanzeige bei Weitem nicht ausreicht.

„Wir haben damit ein Problem, denn es besteht ein Interessenkonflikt“, sagt Michael Hutchins von der Vogelschutzaufsichtsbehörde American Bird Conservancy. „Wir haben schon viele Beispiele dafür gesehen, dass die Industrie die wahren Auswirkungen auf Vögel und Fledermäuse herunterspielt, um eine Genehmigung zu bekommen.“ Er führt das Beispiel eines Windparks in Minnesota an, wo der Betreiber zunächst behauptet hat, dass es dort überhaupt keinen Vogelflug gebe. Erst Anwohner, die Beweise für die Existenz der Vögel vor Ort vorlegten, machten die Behörde auf den Fall aufmerksam. Mittlerweile wurde der Windpark ganz geschlossen.

By J. Glover (AUTiger). Please attribute to J. Glover - Atlanta, Georgia in usage outside of Wikimedia Foundation Projects. (en.wikipedia) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons„Wir haben aber auch viel Erfahrung darin, solche Informationen auszuwerten und wenn wir feststellen, dass die Zahlen keinen Sinn ergeben, haben die Betreiber ein Problem“, warnt Brian Millsap vom Fish and Wildlife Service.

Auch darüber, ob ein sich bereits im Betrieb befindender Park seine Auflagen einhält oder nicht, müssen die Betreiber die Daten selbst vorlegen. Zwar besteht die Möglichkeit, unangekündigte Kontrollen vorzunehmen, aber da kommt wieder das Problem der wenigen Mitarbeiter ins Spiel. Erst wenn jemand von außen einen Hinweis gibt, dass möglicherweise eine Verletzung der Anforderungen vorliegt, wird die Behörde vor Ort kontrollieren. „Wenn Menschen Enten jagen, gehen wir auch nicht zu ihnen nach Hause und kontrollieren ihren Kühlschrank, um zu sehen, ob sie über das Limit gegangen sind“, so Clint Riley vom Fish and Wildlife Service gegenüber dem Standard.

Die Zahlen deuten ebenfalls daraufhin, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis sich dieses System in den USA wirklich durchsetzt: Bisher hat nur ein einziger Windpark eine Genehmigung erhalten.

Foto 3: Nordamerikanischer Steinadler (By J. Glover - Atlanta, Georgia. CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons)

Autor:
Katrin Radtke
Email:
kr@windmesse.de
Windenergie Wiki:
Windpark, Turbine



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