2019-11-18
http://w3.windmesse.de/windenergie/news/13415-windenergie-news-aluminium-beizen-mit-dem-klebeband

Meldung von Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM


Windenergie News: Aluminium beizen mit dem Klebeband

Ein neues Klebeband macht das lokale Beizen von Aluminium einfacher, sicherer und umweltfreundlicher. Im Gegensatz zu bisherigen Verfahren wie Beizpasten, -sprays oder -bädern fällt kein Spülwasser an, das aufwendig entsorgt werden muss.

Bremen, 1. Juli 2013 - Das Leichtmetall Aluminium findet traditionell im Flugzeugbau Anwendung und überall dort, wo es auf ein geringes Gewicht ankommt. Auch in anderen Branchen, wie dem Automobilbau, wird es immer häufiger eingesetzt. Allerdings ist Aluminium ein unedles Metall und muss vor Korrosion geschützt werden. Dazu wird es in den meisten Fällen beschichtet, zum Beispiel mit einem Lack. Für Leichtbaukonstruktionen bietet sich zunehmend das Kleben als Fügetechnik an. Sowohl das Lackieren als auch das Kleben sind aber nur nach einer Vorbehandlung  des Aluminiums möglich. Diese dient dazu, undefinierte Schichten aus Oxiden, Hydroxiden und Verunreinigungen von der Oberfläche zu entfernen, die sich praktisch auf jeder technischen Aluminiumoberfläche befinden. Ein wichtiges Vorbehandlungsverfahren ist das Beizen, bei dem Chemikalien in einem Behandlungsbad die Verunreinigungen  auflösen und eine frische Oberfläche des Metalls freigelegt wird.

Schwierig ist der Einsatz von Badverfahren für große Teile, die nur teilweise behandelt werden müssen oder im Falle  von Nacharbeiten und Reparaturen. Hier werden lokale Behandlungen immer wichtiger. Die Hersteller verwenden dafür vorwiegend Beizpasten oder Beizsprays, die von Fachkräften per Hand aufgetragen beziehungsweise aufgesprüht  werden.

Das Problem: Die genutzten Stoffe sind sauer oder alkalisch. Der Rest des Bauteils muss aufwendig geschützt, die  Beize abgespült und das Spülwasser aufbereitet sowie speziell entsorgt werden. »Aktuell ist keine zufriedenstellende Lösung für das lokale Beizen verfügbar. Uns kam deshalb die Idee eines Beizklebebands, das man bequem auf den  Stellen aufbringen kann, die behandelt werden müssen«, beschreibt der Experte für Adhäsions- und  Grenzflächenforschung Dr. Malte Burchardt den Forschungsansatz am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Bremen.

Neuartiger Klebstoff mit hohem Wasseranteil
Dazu war die Entwicklung eines völlig neuen Klebstoffs erforderlich: Einerseits soll sich das Beizklebeband wie ein gewöhnliches Klebeband auftragen und danach rückstandsfrei abziehen lassen. Andererseits müssen alle für den Beizprozess notwendigen Chemikalien in den Klebstoff integriert werden. »Für das Beizen wird ein hoher  Wasseranteil im Klebstoff benötigt. 95 Prozent aller herkömmlichen Klebstoffe für Klebebänder sind jedoch lösemittelbasiert und funktionieren nicht mehr, sobald Wasser mit ins Spiel kommt«, schildert Dr. Malte Kleemeier  aus dem Bereich Klebstoffe und Polymerchemie die Herausforderung. Den Fraunhofer IFAM-Wissenschaftlern gelang  es, auf Grundlage wasserlöslicher Polymere eine geeignete Klebstoffformulierung zu entwickeln.

Die Technologie ist ebenso leistungsfähig wie das Beizen mit Pasten, Sprays oder in Beizbädern. Das haben  praktische Tests gezeigt. Im Gegensatz zu den bisherigen Verfahren fällt kein Spülwasser an, das aufwendig entsorgt werden muss. Es reicht aus, das Bauteil nach dem Abziehen des Beizklebebands mit einem feuchten Tuch kurz  abzuwischen.

»Die Beizklebebänder sind einfach, sicher und umweltfreundlich zu handhaben«, fasst Kleemeier die Vorteile  zusammen. Die Forscher entwickelten das neue Klebeband in Zusammenarbeit mit Industriepartnern, unter anderem  aus der Luftfahrt- und Automobilbranche. Gerade in Bereichen mit hohen Qualitätsstandards kann das Klebeband seine Vorteile ausspielen. Im letzten Jahr wurde die Entwicklung mit dem »SURFAIR Award for Innovation«  ausgezeichnet.

Im nächsten Schritt will das IFAM die Bänder zusammen mit seinen Partnern zur Fertigungsreife bringen. Gleichzeitig testen sie, ob sich das Beizklebeband für andere Werkstoffe, zum Beispiel Edelstahl, nutzen lässt.

Weitere Informationen zum Fraunhofer IFAM www.ifam.fraunhofer.de

Quelle:
IFAM Fraunhofer
Email:
kunststoff-lernen@ifam.fraunhofer.de
Link:
www.ifam.fraunhofer.de/...



Alle Meldungen Von Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM





Stichwortsuche

© smart dolphin Gmbh 1999 - 2019 | Impressum | Wir über uns | Windmesse und Smart Energy - Symposien 2020 | Windmesse Redaktion | Datenschutzerklärung | Wiki