2020-03-28
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Der Deckel muss weg – die Offshore-Windbranche zeigt sich selbstbewusst

Am Dienstag und Mittwoch fand in der ‚Hauptstadt der Windenergiebranche‘ die 14. Hamburg Offshore Wind Conference statt, die von DNV GL und dem Renewable Energy Cluster Hamburg veranstaltet wurde. Es trafen sich Vertreter einer selbstbewussten Branche, die Themen wie Ausschreibungen, Kostenreduzierungen und den Netzausbau diskutierten und Forderungen an die Politik stellten.

Bild: Der Deckel muss weg – die Offshore-Windbranche zeigt sich selbstbewusstBild: Der Deckel muss weg – die Offshore-Windbranche zeigt sich selbstbewusst

Wer in den vergangenen Jahren die Entwicklung der Offshore-Windenergiebranche verfolgt hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass sich die Stimmung gerade auf Branchenveranstaltungen stark verändert hat. Noch vor drei bis vier Jahren stand bei Vorträgen und Diskussionsrunden oftmals die bange Frage im Raum, ob es tatsächlich möglich ist, die von Regierung und Öffentlichkeit geforderte Kostenreduzierung innerhalb des vorgesehenen Zeitplans zu schaffen. Dabei ging man von Einsparungen bis zu 40 Prozent bis zum Jahr 2020 aus, die nötig seien, um Offshore-Wind wettbewerbsfähig gegenüber anderen Arten der Energieerzeugung zu machen. Und längst nicht alle Experten waren davon überzeugt, dass eine solche Entwicklung tatsächlich möglich wäre.

Mittlerweile hat sich dieses Bild geändert: Die Industrie hat die Lernkurve deutlich angezogen und dabei ein Blitztempo vorgelegt, sodass die geforderten 40 Prozent Einsparungen schon in den letzten ein bis zwei Jahren erreicht wurden. Die Preise für Offshore-Windenergie sind dabei so stark gesunken, dass man heute fast auf Augenhöhe mit Onshore-Wind und Photovoltaik steht. Und dabei sind bislang erst 15 Prozent der Energiewende in Deutschland tatsächlich vollzogen, wie Hamburgs Erster Bürgermeister und Schirmherr der Konferenz, Olaf Scholz, in seiner Eröffnungsrede betonte.

Mit der starken Entwicklung der Offshore-Industrie in den vergangenen Jahren ist auch eine Stärkung des Selbstbewusstseins einher gegangen. Die Branche ist den Kinderschuhen entwachsen und betont ihre Rolle als Jobmotor und Garant für Wirtschaftswachstum. Ganze Regionen profitieren heute davon, wenn ein neues Werk entsteht, wie das Beispiel von Cuxhaven zeigt, wo Siemens aktuell eine Produktionsstätte für Offshore-Windkraftanlagen errichtet, die noch in diesem Jahr ihren Betrieb aufnehmen soll. Zudem arbeitet man beim Weltmarktführer unter den Offshore-Turbinenherstellern auf einem Testfeld in Dänemark an verschiedenen Neuheiten, unter anderem an einem ‚Gravity Jacket‘, das die Gewichtslast der Anlage besser auf dem Fundament verteilen soll. Auch an der Vereinfachung von Arbeitsabläufen durch eine bessere Vernetzung der Software wird derzeit geforscht, wie Bent Christensen, Head of Cost of Energy bei Siemens, erklärte.

Schnellebige Branche: Das 7 MW-Modell von Siemens wird mittlerweile nicht mehr verkauft - obwohl bislang noch nicht eine einzige Turbine in einem Windpark errichtet wurde (Bild: Siemens)

Dass es dabei nicht nur Gewinner gibt, zeigt wiederum aktuell das Beispiel des deutschen Anlagenherstellers Senvion, der kürzlich ankündigte, sein Turbinenwerk in Husum zu schließen und 700 Beschäftigte entlassen zu müssen. Die Konsequenzen für die Region sind derzeit noch nicht abzusehen. Es ist aber durchaus wahrscheinlich, dass auch in der Zuliefererkette weitere Arbeitsplätze verloren gehen.

In der Zwischenzeit hat sich auch der Anspruch der Politik an die Branche geändert: Die Windenergie ist zu einem Zugpferd der Energiewende geworden, das in kurzer Zeit enorme Erfolge vorweisen konnte. An anderer Stelle wie dem Netzausbau kam man nicht mehr hinterher. Also musste man die Branche wieder einfangen und hat nun das EEG 2017 eingeführt, das neben einer Deckelung des Ausbaus die Weichen in Richtung Ausschreibungen stellen soll. Damit reiht sich die Bundesrepublik in eine Reihe von Ländern ein, die bereits Ausschreibungen im Offshore-Bereich einsetzen, um Kosten zu senken, wie zum Beispiel Dänemark und die Niederlande.

Dabei ist die Einführung dieses Systems in Deutschland kein vollständiger Bruch mit der bisherigen Praxis, da vom Gesetzgeber versucht wurde, einen möglichst geschmeidigen Übergang hinzubekommen. Herausgekommen ist dabei allerdings ein juristisch sehr komplexes System, dessen unmittelbares Vorgehen teilweise nur schwer vorherzusagen ist, wie Rechtsanwältin Ursula Prall von der Kanzlei Becker, Büttner und Held während der Veranstaltung in einem Vortrag ausführte.

Die Industrie, die vor einiger Zeit noch mit Sorge auf dieses System schaute, fühlt sich nach wie vor von ihm eingeschränkt. Auch von den kürzlich erzielten Preisrekorden für Offshore-Windstrom in Dänemark und den Niederlanden beflügelt möchten die Unternehmen möglichst viele Projekte in möglichst kurzer Zeit bauen, wie in einer Panel-Diskussion auf der Konferenz deutlich wurde. Nur eine dauerhaft hohe Auslastung der Produktion kann auf Dauer Arbeitsplätze sichern und weitere Kostensenkungen erzielen. Erklärte Störenfriede sind dabei zum einen das Bundeswirtschaftsministerium, dass der Branche den Deckel aufgesetzt hat und die Übertragungsnetzbetreiber, die mit dem Leitungsausbau nicht nach kommen.

Die 'Energieinsel' von TenneT ist ein europäisches Projekt zur besseren Netzintegration von Offshore-Windenergie (Bild: TenneT)

„In der politischen Debatte fehlt die große Vision“, erklärte Sven Utermöhlen, der bei E.ON für Offshore-Wind zuständig ist. Auf die Euphorie in der Anfangsphase folgt nun die große Frage, wo man mit der Energiewende eigentlich hin will. Es ist letztlich auch nicht ausreichend, die Strom-Autobahnen zu bauen, letztlich steht und fällt die Energiewende mit der Einbeziehung der unterschiedlichen Sektoren, u.a. der Elektromobilität, darin waren sich die Teilnehmer der Diskussionsrunde einig. Derzeit passt man in Deutschland den Ausbau der erneuerbaren Energien an den Netzausbau an. Stattdessen sollte man lieber den Netzausbau an die Klimaschutzziele anpassen, sonst wird das Zwei-Grad-Ziel verfehlt, forderte unterdessen auch Jörg Kuhbier von der Stiftung Offshore-Windenergie.

Eine deutliche Aufforderung an die Politik, sich nach der Einführung des EEG 2017 nicht zurück zu lehnen, sondern auch weiterhin daran zu arbeiten, die Energiewende – nicht nur in Deutschland – sondern vereint in ganz Europa – weiter voran zu treiben.

Autor:
Katrin Radtke
Email:
presse@windmesse.de
Keywords:
Offshore Wind Conferene, DNV GL, Cluster, Siemens, BBH, Vattenfall, Ausschreibung, Energiewende
Windenergie Wiki:
Windpark, Turbine, Offshore, MW, Jacket, Hamburg, EEG 2017, Cuxhaven, Ausschreibungen



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