2017-10-20
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Windmesse.de: Wie der Wind Niedersachsen mit Norwegen verbindet

Ein 600 Kilometer langes Seekabel soll Wind- und Wasserkraftstrom austauschen und wie ein „Speicher“ wirken / Netzkapazität für Halbmillionenstädte wie Oslo oder Hannover - die Investitionsentscheidung fällt noch dieses Jahr

Der Grundgedanke ist denkbar einfach: Mit annähernd 6.700 Megawatt ist in Niedersachsen weit mehr Windleistung als in jedem anderen Bundesland installiert, mancherorts werden die Netzkapazitäten knapp. Wenn hierzulande viel Wind bläst und deshalb der Strompreis sinkt, könnte der Windstrom über ein Seekabel nach Norwegen fließen und dort preiswert Wasser in die Speicherwerke hochpumpen. Wenn im Gegenzug der Großhandelsstrompreis in Deutschland höher ist, fließt der Strom in umgekehrter Richtung – durch die dann billigere norwegische Wasserkraft.
Ein solches, 600 Kilometer langes Seekabel plant die NorGer KS im norwegischen Kristiansand, das an der niedersächsischen Halbinsel Butjadingen bei Nordenham „anlanden“ und im Jahr 2015 in Betrieb gehen soll. Es wäre das erste Seekabel, das Deutschland und Norwegen verbindet – und ohne staatliche Investitionszuschüsse oder Umlagekosten für den Verbraucher vorgesehen ist.
Gehandelt werden soll die Kabelkapazität an der deutschen Energiebörse EXX und dem Nordischen Stromaustausch-System NordPool. Das Seekabel mit der Aufnahme des „überschüssigen“ niedersächsischen Windstroms für Norwegen funktioniert in diesem Fall wie eine Art Batterie oder ein Speicher – denn bei hohem Strombedarf bzw. hohen Preisen fließt dann Strom über die aufgefüllten norwegischen Wasserkraftwerke zurück.
Noch in diesem Jahr steht die Grundsatzentscheidung an. Die Bundesnetzagentur in Bonn hat bereits die geplante 600 Kilometer lange Verbindungsleitung genehmigt: „Sie ermöglicht den Ausgleich der schwankenden deutschen Windstromerzeugung durch die Markt-Kopplung mit dem durch Wasserkraft geprägten norwegischen Strommarkt“, sagt Matthias Kurth, der Präsident der Bundesnetzagentur.
1.400 Megawatt beträgt die Leistung des elf Zentimeter dicken Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungskabels (HGÜ) und kann laut NorGer knapp elf Terrawattstunden (TWh) Strom übertragen: „Das entspricht fast dem gesamten Jahresstrombedarf einer Stadt mit 500.000 Einwohnern wie Oslo oder Hannover“.
50 % der Anteile an dem Joint-venture gehören dem staatlichen Übertragungsnetzbetreiber Statnett; den Rest teilen sich die Wasserkraftbetreiber und Energie-Unternehmen Agder Energie AS, die Lyse Produksjon AS (beide überwiegend in kommunalem Besitz) sowie die schweizerische EGL Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg AG. Die Investitionskosten sollen rund 1,4 Milliarden Euro „plus minus 30 Prozent“ betragen. Für Deutschland erwartet das Unternehmen durch die preiswertere Wasserkraft, dass der Höchstpreis für Elektrizität leicht sinkt: „In Norwegen werden die Strompreise einen leichten Anstieg nehmen. Gleichzeitig werden aber die norwegischen Verbraucher während Kälteprioden und niedrigen Wasserständen in den Stauseen vor dramatischen Preisanstiegen geschützt“ – durch den niedersächsischen Windstrom.
Noch in diesem Jahr will das Joint-venture seine endgültige Investitionsentscheidung treffen. Diese hängt insbesondere davon ob, ob das deutsche Bundeswirtschaftsministerium dem Austauschkabel einen „unbegrenzten Stromtransfer“ zwischen Deutschland und Norwegen gestattet und es nicht bei zusätzlicher starker Stromproduktion, etwa durch Kohle- und Kernkraftwerke, einfach abgeklemmt wird. „Wenn wir nur sechs Stunden am Tag einspeisen dürfen, macht das Projekt keinen Sinn“, meint NorGer-Pressesprecher Dr. Matthias Hochstätter, vormals Pressesprecher beim Bundesverband Windenergie.
Im Februar soll das Raumordnungsverfahren beendet werden und das ordentliche Planfeststellungsverfahren beginnen, das in etwa zwei Jahre dauert. Der Niedersächsische Landtag hat sich bereits parteiübergreifend für die Stromverbindung nach Norwegen ausgesprochen. Widerstand gegen das Norwegen-Kabel gibt es weniger bei Nordenham, wo das Kabel „anlandet“, sondern im Dorf Moorriem bei der Gemeinde Elsfleth - vor allem gegen die geplante Konverterstation, die nach Bürgerinitiativ-Auffassung bei einer Höhe „von bis zu 25 Metern“ eine Fläche von 350 mal 350 Meter umfassen könnte. „Wo genau in der Gemarkung die Konverterstation hin soll, steht noch nicht fest“, sagt Hochstätter, der darauf verweist, „dass wir ursprünglich die Konverterstation am Atomkraftwerk Unterweser bauen wollten, das 2012 stillgelegt werden sollte. Doch mit der beschlossenen Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke geht das leider nicht mehr“.

Quelle:
Recherche
Autor:
Björn Johnsen
Email:
bj@windmesse.de
Keywords:
Windstrom, Seekabel, Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungskabel (HGÜ), NorGer, Statnett, EXX, Dr. Matthias Hochstätter, Oslo, Hannover
Windenergie Wiki:
Übertragungsnetzbetreiber, Megawatt, Konverterstation





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