2017-07-23
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Gratwanderung für Umweltorganisationen: Pro oder Kontra Windkraft

In dieser Woche gab es gleich zwei wichtige Entscheidungen von europäischen Gerichten, in denen es um den Bau von Offshore-Windparks ging. Beide Male waren die Kläger Umweltschutzorganisationen. Beide Male entschied sich die Justiz für den Bau der Windkraftanlagen.

Bild: Katrin RadtkeBild: Katrin Radtke

Immer wieder kommt es zu Beschwerden und Klagen gegen geplante Windenergieprojekte. Davon betroffen sind in den meisten Fällen Onshore-Windparks, die Vogelbrutstätten oder Fledermausvorkommen gefährden könnten. Aber auch die Offshore-Windkraft steht zunehmend im Fokus der Justiz. Die Kläger sind dabei nicht selten die, die sich dem Umweltschutz verpflichtet haben. Dabei ist es jedes Mal wieder eine Gratwanderung für die Organisationen, denn auch der Klimawandel durch CO2-Emmissionen schadet Flora und Fauna. Dagegen hilft wiederum Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen.

So hat die Royal Society for the Protection of Birds (RSPB), Europas größte Organisation zum Schutz von Wildvögeln, im Jahr 2015 eine Klage gegen vier geplante Offshore-Windparks in Schottland mit einer Gesamtkapazität von 2,284 MW eingereicht. Laut Studien der Organisation würden die Windparks das Leben von Tausenden von geschützten Seevögeln gefährden.

Nachdem erste Instanzen der RSPB noch Recht gaben, hat nun das höchste schottische Zivilgericht die Klage abgewiesen. Damit steht dem Bau der Windparks nichts mehr im Weg. Entsprechend äußert sich Stuart Housden, Vorsitzender der RSPB Scotland: „RSPB Schottland ist natürlich sehr enttäuscht von dem heutigen Gerichtsurteil. Während wir den Einsatz von erneuerbaren Energien voll und ganz unterstützen, darf das nicht auf Kosten anderer geschehen. Kombiniert drohen diese vier riesigen Projekte, jedes Jahr Tausende von Schottlands international geschützten Seevögeln zu töten, darunter Tausende von Papageientauchern, Tölpeln und Klippenmöwen.“


Mainstream Renewable Power hat bereits erste Messstationen vor Ort im Wasser (Bild: MRP)

In vielen Fällen arbeiten daher Umweltschützer und Projektierer zusammen. So betont auch Mainstream Renewable Power, einer der Projektierer, dessen 450 MW Neart na Gaoithe Offshore-Windpark vom zeitweiligen Bauverbot betroffen war, dass es in der Vergangenheit bereits eine gute Kooperation mit der RSPB gegeben hat.

David Sweenie, Mainstream Renewable Power Offshore Manager für Schottland, zeigte sich trotzdem erleichtert über die Entscheidung des Gerichts und führt vor allem wirtschaftliche Vorteile durch den Bau an: „Wir begrüßen das Urteil des Gerichtshofs [...]. Dieses 2 Milliarden Pfund teure Projekt ist in der Lage, die Haushalte einer Stadt in der Größe von Edinburgh mit sauberer Energie zu versorgen. Es werden über 500 Arbeitsplätze während des Baus und über 100 dauerhafte Arbeitsplätze geschaffen, sobald der Windpark in Betrieb ist. Mehr als 540 Millionen Pfund werden in der Bauphase direkt in Schottland investiert und weitere 610 Millionen Pfund kommen im Laufe der Betriebsphase dazu.“

Die schnelle Entwicklung der Offshore-Windenergie mit immer größeren Turbinen hat unterdessen bereits dazu geführt, dass sich das Projekt seit der Erteilung der Baugenehmigung 2012 enorm verändert hat. Ursprünglich mit 125 Turbinen geplant, sollen mittlerweile nur noch 64 Turbinen aufgestellt werden. Somit sinkt zwar die eigentliche Anzahl der Vogelfallen, doch die einzelnen Windkraftanlagen werden nun sehr viel größer als ursprünglich geplant.

In Frankreich kam es in dieser Woche zu einem ähnlichen Gerichtsbeschluss pro Windenergie: Drei Umweltschutzorganisationen hatten gemeinsam Klage gegen die Erteilung eines Umweltgutachtens zum Bau eines Offshore-Parks vor der Küste bei Nantes eingereicht, wie verschiedene Medien berichten.

Bild: Mainstream Renewable PowerDer 480 MW-Windpark Parc du Banc de Guerande soll knapp 12 Kilometer vor der Küste errichtet werden – zu nah am Ufer meinen die klagenden Organisationen, die Fehler bei der Erstellung des Gutachtens geltend machten. In diesem Fall wollten die Kläger allerdings nicht das gesamte Projekt stoppen. Nach ihrem Willen hätte es gereicht, den Park, der im Auftrag von EDF Energies Nouvelles und Enbridge errichtet wird, einige Kilometer weiter draußen zu installieren. Allerdings wies das Gericht auch hier die Klage ab – der Park wird nun nach den ursprünglichen Plänen errichtet.

Für Umweltschutzorganisationen bleibt das Thema Windkraft weiterhin ein heikles, wie auch zahlreiche Beispiele aus Deutschland zeigen, wo  beispielweise der NABU immer wieder gegen Projektierer vorgeht. Doch ohne Windenergie geht es auch nicht: „Dass wir in Deutschland die Windenergie brauchen, um unsere Klimaschutzziele zu erreichen, steht außer Frage. Man darf dabei aber den Klimaschutz nicht gegen den Naturschutz ausspielen“, betont der NABU auf seiner Homepage.

Die Organisation fordert klarere Regeln zum naturverträglichen Ausbau der Windenergie. Ziel muss es sein, bei der Planung neuer Anlagen Konflikte von vornherein zu vermeiden und Naturschutzbelange von Beginn an ausreichend zu berücksichtigen. Wird dies nicht in ausreichendem Maß verfolgt, werden die Organisationen auch zukünftig gegen die umweltfreundlichsten Arten der Energiegewinnung zu Felde ziehen.

Autor:
Katrin Radtke
Email:
presse@windmesse.de
Keywords:
Umweltschutz, offshore wind, Energiegewinnung, NABU, RSPB, Mainstream, Frankreich, Schottland, Deutschland
Windenergie Wiki:
Windpark, Turbine, Offshore, MW



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