2017-11-18
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Gebt den Kindern das Kommando: Ein indisches Mädchen zeigt die Probleme beim Klimaschutz auf

Malala Yousafzai ist nicht erst seit dem Gewinn des Friedensnobelpreises weltweit bekannt. Die mittlerweile 19-Jährige Aktivistin begann im Alter von 11 Jahren, sich öffentlichkeitswirksam für die Rechte von Kindern und speziell Mädchen in Pakistan einzusetzen. Nun sollte man sich den Namen Ridhima Pandey merken. Die 9-jährige Inderin hat kürzlich ihre Regierung verklagt, weil sich diese ihrer Meinung nach nicht genügend für den Umweltschutz einsetzt. Dabei kommt Indien mehr denn je eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel zu – und zwar nicht erst, seit in den USA Donald Trump das Sagen hat.

Das Taj Mahal, Indiens Wahrzeichen (Bild: www.viajar24h.com (Agra & Taj Mahal-44  Uploaded by Ekabhishek) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons)Das Taj Mahal, Indiens Wahrzeichen (Bild: www.viajar24h.com (Agra & Taj Mahal-44 Uploaded by Ekabhishek) [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons)

Indien ist mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern nach China das Land mit der größten Bevölkerung weltweit. Und einige Prognosen sagen voraus, dass es schon 2020 mehr Inder als Chinesen geben könnte. Ebenso rasant wie die Bevölkerung wächst auch die indische Industrie, die im gleichen Maße immer mehr Energie benötigt. Dabei hat Indien in den vergangenen Jahrzehnten vor allem auf Kohle gesetzt, deren Anteil bei über 50 Prozent liegt. Allerdings hat die Wahl von Narendra Modi zum Premierminister im Jahr 2014 ein Umdenken gebracht.

Die derzeitige indische Regierung hat schnell damit begonnen, massiv in den Ausbau von erneuerbaren Energien zu investieren und ehrgeizige Pläne ausgerufen: Im Mittelpunkt stand dabei zunächst die Zustimmung zum Pariser Klimaabkommen und der Verpflichtung, bis 2030 40 Prozent der Energieversorgung aus nicht-fossilen Quellen zu beziehen. Ende vergangenen Jahres wurde dann ein weiterer Plan mit noch ambitionierteren Zielen vorgestellt. So will der Subkontinent laut Eco-Business innerhalb der nächsten zehn Jahre 275 Gigawatt an erneuerbaren Energien sowie weitere 85 Gigawatt aus nicht-fossilen Quellen wie Atomenergie zubauen. Das würde den Anteil der nicht-fossilen Energieträger am Strommix im Jahr 2027 auf ca. 57 Prozent anheben.

Indien gehört zu den Staaten mit dem größten Zubau an Windenergie. Turbinenhersteller Senvion befand sich zwischenzeitlich auch in indischer Hand. (Bild: Senvion)

Allerdings kämpft man dabei immer noch vielerorts mit Problemen beim Netzanschluss – sofern überhaupt ein Netz vorhanden ist. Große Teile der Bevölkerung, gerade in den ländlichen Gebieten weit abseits der Metropolen, haben häufig noch immer keinen Zugang zu Strom und fließend Wasser. Außerdem fehlen Speichermöglichkeiten, was nach Schätzungen von Experten dazu führt, dass bis zu einem Fünftel der produzierten Energie ungenutzt verschwendet wird.

Dabei bekommen gerade die Menschen in den ländlichen Regionen die Auswirkungen des Klimawandels am meisten zu spüren. Der Bundesstaat Uttarakhand, wo die 9-jährige Ridhima Pandey lebt, liegt ganz im Norden Indiens an den Grenzen zu Tibet und Nepal und wurde in den vergangenen Jahren von starken Regenfällen, Überflutungen und Erdrutschen heimgesucht. Tausende Menschen sind dabei umgekommen, wie das Mädchen und ihr Vater Dinesh Pandey, der bei einer NGO arbeitet, dem britischen Independent berichten. Aus diesem Grund habe man die Klage bei einem Gericht eingereicht, das sich speziell um Umweltschutzbelange kümmert. Nach dem Unterzeichnen des Pariser Klimaabkommens werde immer noch nicht genug getan, um dieses auch vor Ort umzusetzen.

Dabei findet sich Indien, weltweit drittgrößter Produzent von klimaschädlichen CO2-Gasen, im Jahr 2016 durchaus schon weit vorn in den Statistiken beim Zubau von Wind- und Solarenergie. Wie die von der internationalen Klimaagentur IRENA veröffentlichten Zahlen zeigen, wurden in Indien im vergangenen Jahr knapp 4000 Megawatt Windenergie und 4000 Megawatt Solarenergie zugebaut. Damit liegt Indien beim Wachstum jeweils unter den Top 5-Ländern – neben Industriegroßmächten wie den USA und Deutschland.

Allerdings ist davon nicht überall im Land etwas zu merken. Der Windenergieausbau konzentriert sich im Moment auf den Bundesstaat Andra Pradesh an der Südostküste des Landes. Die windreiche Region hat in der jüngeren Vergangenheit viele Unternehmen aus dem Windbereich angezogen. So hat Turbinenhersteller Gamesa zu Beginn des Jahres dort eine weitere Rotorblattfabrik eingeweiht. Es ist bereits das dritte Werk von Gamesa in Indien, denn seit die Regierung im Zuge ihrer Fokussierung auf erneuerbare Energien den Marktzugang für ausländische Investoren erleichtert hat, boomt der Markt noch mehr. Dabei hat Gamesa bereits heute einen Marktanteil von 34 Prozent.

Rotorblattfabrik von Gamesa (Bild: Gamesa)

Auch der deutsche Windenergieanlagenhersteller Senvion ist auf dem indischen Markt tätig. Ende letzten Jahres gelang es den Hamburgern, einen Großauftrag über den Bau von 500 Megawatt an Land zu ziehen, wobei die Übernahme des indischen Unternehmens Kenersys den Marktzugang erleichtert haben dürfte. Jürgen Geißinger, CEO von Senvion, sagte dazu: "Anfang des Jahres [2016] haben wir unsere Entscheidung für den Markteintritt in Indien angekündigt. Heute freuen wir uns über diesen Rahmenvertrag, der den Beginn einer starken Partnerschaft darstellt. Darüber hinaus zeigt dieser Vertrag, dass unsere Wachstumsgeschichte in Indien konsequent weitergeht."

Neben der Windenergie boomt auch die Solarindustrie – allerdings konzentriert sich die Branche auch hier bislang auf wenige Regionen: In nur sechs der 29 Bundesstaaten sind mehr als 80 Prozent aller Solarkapazitäten installiert. Dazu zählt Tamil Nadu, einer der höchstindustrialisierten Bundesstaaten Indiens im Südosten. Dort wurde im vergangenen Jahr der weltgrößte Solarpark eröffnet, der mit seinen 648 MW 150.000 Menschen mit Strom versorgen kann.

Dass die Möglichkeiten für erneuerbare Energien in Indien noch viel größer wären, wenn die Regierung endlich beginnen würde, auch gezielter in strukturschwachen Regionen in den Klimaschutz zu investieren, ist einer der Punkte, auf den Ridhima mit ihrer Klage aufmerksam machen will. Es bleibt zu hoffen, dass sie damit ähnlich erfolgreich sein wird, wie Malala Yousafzai.

Autor:
Katrin Radtke
Email:
presse@windmesse.de
Keywords:
Indien, Pariser Klimaabkommen, CO2, Umweltschutz, Windenergie, Solarenergie, Netze, Speicher
Windenergie Wiki:
Trump, MW, Megawatt



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