2017-03-29
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Indien – Ein schlafender Riese erwacht

Indien ist ein Subkontinent der Gegensätze: Einer hochtechnologisierten IT-Branche stehen Millionen an Menschen gegenüber, die weder regelmäßig Zugang zu fließendem Wasser noch Strom haben. Dem traditionellen Kastensystem in eher ländlichen Regionen mit starren Hierarchie- und Wertevorstellungen stehen westlich geprägte Großstädte mit einer modernen Gesellschaft gegenüber. Auch im Bereich des Energiesektors kontrastieren sich Tradition und Moderne.

Bild: WikimediaBild: Wikimedia

Indien ist der weltweit drittgrößte Produzent von klimaschädlichen Treibhausgase (hinter China und den USA). Allerdings hat hier in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden. Ähnlich wie die Chinesen, die erst im Smog ersticken mussten, erkennen auch die Inder langsam, dass es angesichts des immer stärker voran schreitenden Klimawandels kein 'weiter wie bisher' geben kann. Und in Anbetracht der Grabenkämpfe in Europa, wo es mittlerweile vor allem um Abfindungen für fossile Energieproduzenten, Deckelung von Fördermengen und Abschaffen von Steuererleichterungen für Erneuerbare geht, und eines amerikanischen Präsidenten, der den Klimawandel leugnet, scheint Indien endlich bereit, eine neue Rolle im Kampf gegen den Klimawandel einzunehmen.

Allerdings steht das Land in dieser Entwicklung noch ganz am Anfang. Ein wichtiger Faktor für das Umdenken kam mit der Wahl Narendra Modis zum Premierminister, unter dessen Regierung der Push in Richtung erneuerbare Energien verstärkt wurde. Der aktuelle Plan sieht einen Anstieg der erneuerbaren Energien auf 175 Gigawatt bis 2022 vor, was der Verfünffachung des jetzigen Anteils entspricht. Windenergie soll sich mehr als verdoppeln und die Solarenergie um das 15-fache wachsen, ausgehend vom Niveau im April 2016. Solch ehrgeizige Ziele würden Indien zu den weltweit führenden Ländern im Bereich erneuerbarer Energien machen.

Des Weiteren hat der Premierminister auf wirtschaftlicher Ebene dafür gesorgt, dass es einfacher für Firmen aus dem Ausland geworden ist, im Land Niederlassungen zu gründen – eine Grundvoraussetzung für den Aufbau des Industriezweigs in Indien.

Die Windkraft spielt eine große Rolle im zukünftigen Energiemix in Indien (Foto: Katrin Radtke)

Trotzdem sahen die Prognosen bis vor Kurzem noch nicht gut aus, was den endgültigen Abschied von der bisher dominierenden Kohleindustrie mit ihrem Anteil von knapp 60 Prozent an der Energiegewinnung angeht. Auch aufgrund fehlender Infrastruktur beim Netzausbau wurde Indien eine Abhängigkeit von dieser Form der fossilen Energiegewinnung bis mindestens in die 2030er oder 2040er Jahre vorhergesagt, was weiterhin einen konstant hohen Ausstoß von schädlichem CO2 bedeutet hätte.

Erst zu Beginn dieses Jahres konnte der indische Energieminister Piyush Goyal auf einer Veranstaltung erstmals positive Nachrichten verkünden: „Wir sehen gerade dabei zu, wie Indien die Energiehauptstadt der Welt wird. Indien hat sich dazu verpflichtet, die Emissionen im Verlauf dieser Entwicklung zu senken, um unseren Verpflichtungen bezüglich des Pariser Klimaabkommens gerecht zu werden.“

Neben den massiven Investitionen in den Netzausbau, die in den vergangenen Jahren vorangetrieben wurden, ist ein weiterer Grund für diese Kehrtwende die weltweite Entwicklung der Kosten bei den Erneuerbaren, die auch in Indien auf einem Rekordtief angekommen ist: Im Februar wurde die erste asiatische Ausschreibung der Regierung für Solar- und Windenergieprojekte abgehalten, deren Tiefstwerte die fossile Energiegewinnung in Bedrängnis brachte. So wurden bei der Auktion Preise von 2,97 Rupien (€ 0,04) pro Kilowattstunde für Solarprojekte und 3,46 Rupien (€0,05) für Windprojekte erzielt.

Angesichts der scheinbar unbegrenzt vorhandenen Standort-Kapazitäten für Erneuerbare, rechnet es sich damit laut der Studie 'Transitions in the Indian Energy Sector – Macro Level Analysis of Demand and Supply Side Options' des indischen Think-Tanks TERI nicht mehr, noch weitere Kohlekraftwerke in Auftrag zu geben. Nimmt man die Projekte, die bereits im Bau sind oder genehmigt wurden und rechnet die übliche Laufzeit für ein Kohlekraftwerk von 30 bis 35 Jahren hinzu, könnte Indien im Jahr 2050 kohlefrei sein.

Keine Investitionen mehr in Kohlekraftwerke (Foto: Blumenkind /Fotolia)

Dr. Ajay Mathur, Vorsitzender von TERI, hob die wichtigsten Erkenntnisse hervor: „Das Ziel, die Verpflichtungen des Klimaabkommens zu erreichen, bietet die enorme Chance, Indien durch den Übergang zu einem kohlenstofffreien Wachstum an die Spitze der Volkswirtschaften zu stellen. Dazu gehört die Verbesserung des Zugang zur Stromversorgung, die Entwicklung und Fertigung sauberer Technologien sowie die Schaffung von Jobs. Unser Bericht zeigt, dass die Kosten für erneuerbaren Strom und Speichertechnologien stetig sinken und sich bei rund 5 Rupien pro KWh stabilisieren können. Dies würde es Indien ermöglichen, sich in Zukunft für erneuerbare Energien in der Stromgewinnung zu entscheiden. Das bedeutet, dass Indien ein etwa zehnjähriges Fenster hat, in dem es keine neuen Investitionen in der Kohle-, Gas- oder Kernenergieerzeugung geben muss.“

Zusätzlich würde die Dekarbonisierung der Stromerzeugung auch Kapazitäten in anderen Sektoren wie dem Transportbereich freimachen. Dazu muss das Land den eingeschlagenen Weg konsequent weiter verfolgen und vor allem eine stabile Politik im Energiesektor bieten. Wenn Indien dies zusammen mit China tut, könnten sich schon bald die Machtverhältnisse beim Klimaschutz verlagern: Weg von Europa und den USA hin zu Asien.

Autor:
Katrin Radtke
Email:
presse@windmesse.de
Keywords:
Indien, erneuerbare Energie, fossile Energieerzeugung, Kohle, Windkraft, Solarenergie, Windenergie, Ausschreibung, Asien, Klimawandel, Netzausbau
Windenergie Wiki:
Dekarbonisierung





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